Die digitale Reanimation der VHS-Kassette
Heute sollen in den USA die ersten vorbespielten Videokassetten im neuen DVHS-Format auf den Markt kommen.
Die Wiedergeburt der altgedienten Videokassette hat allerdings schon im Vorfeld Kopfschütteln ausgelöst, nicht wenige Beobachter gehen davon aus, dass das Format letztendlich ein Flop wird, aber durch die angekündigten Marketing-Anstrengungen der beteiligten großen Filmstudios und des Herstellers JVC viele Konsumenten nachhaltig irritieren sollte.
Von den großen Studios hat sich explizit Warner gegen die Unterstützung von DVHS durch Hollywood ausgesprochen, der Konzern befürchtet, dass die weitere Etablierung der DVD im Konsumentenmarkt sich zumindestens verlangsamen könnte.
Neue Standards für Couch PotatoesHohe Auflösung und abwärtskompatibel
DVHS ["Data Video Home System" oder "Digital Video Home System"], die vor drei Jahren erstmals von JVC präsentierte digitale Videokassette, kommt mit einer potenziellen Bildauflösung, die mehr als doppelt so hoch ist wie jene von DVDs.
Auf die 44-GB-Speicherkapazität der DVHS-Kassette passen vier Stunden des hochauflösenden [HDTV] und über 50 Stunden des herkömmlichen Fernsehsignals.
Gemeinsame Promotion
Heute sollen in den USA die ersten vorbespielten DVHS-Tapes auf den Markt kommen, darunter "X-Men", "Terminator 2", "Independence Day" und "Fight Club" sowie rund zehn andere Titel.
Die beteiligten Studios DreamWorks, 20th Century Fox, Universal und Artisan wollen außerdem zusammen mit JVC eine gemeinsame Marketingkampagne starten.
Diese dürfte auch notwendig sein, denn die Filme werden zwischen 27 und 45 USD kosten, und der Preis der zum Abspielen benötigten Geräte liegt derzeit bei 1.199 USD [1.392 Euro für den JVC HMDH30000], also ca. 1.000 Euro über dem eines Billig-DVD-Players.
Wiedergeburt der VideokassetteKopierschutz
Ein Grund, warum einige Hollywood-Studios sich auf das Abenteuer eines neuen Formats einlassen, dürfte die Hoffnung auf den von JVC entwickelten Kopierschutz sein.
JVC brüstet sich jedenfalls, mit dem D-Theater-copy-protection-System einen sichereren Kopierschutz als das auf DVDs eingesetzte CSS [Content Scrambling System] geschaffen zu haben.
Und die Filmindustrie sucht derzeit verzweifelt nach einem "sicheren" Weg, ihre Inhalte vermehrt im HDTV-Format auf die Mattscheiben zu bringen, ohne dass die Filme einfach kopiert werden können.
Ein Gremium, dem die größten Hollywood-Studios und wichtige Vertreter der Hardware-Industrie angehören, hat erst letzte Woche ein Papier zur umfassenden Einführung von Kopierschutz-Technologien zum Schutz von digitalen TV-Inhalten vorgelegt.
Nachdem das Papier veröffentlicht wurde, hagelte es allerdings Kritik von Teilen der Hardware-Industrie, sodass sich die Hoffnung auf eine gemeinsames Vorgehen der Inhalte- und Geräteanbieter zunächst wieder zu zerschlagen scheint.
Nach dem Papier sollen alle HDTV-Inhalte [High Definition Television] zukünftig mit digitalen Wasserzeichen gekennzeichnet und Festplattenvideorekorder, DVD-Rekorder und andere Geräte mit entsprechenden Systemen ausgerüstet werden. Konsumenten könnten danach TV-Inhalte nur noch begrenzt kopieren, der Online-Tausch soll durch das System ganz unterbunden werden.
Kopierschutz für digitale TV-Inhalte
