08.06.2002

CHIPS

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"Am Halbleitermarkt antizyklisch agieren"

Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher erwartet für die Zukunft eine noch größere Volatilität des Halbleitermarktes.

"Alle Indikatoren weisen darauf hin", sagte Schumacher Freitagabend in Klagenfurt. Er verteidigte die Entscheidung seines Unternehmens, das im Vorjahr trotz Krise hohe Summen investiert hatte, allein am Standort Villach waren es 300 Millionen Euro.

Probleme mit unflexiblen Banken

Im Down Geld in die Weiterentwicklung zu stecken, sei aber Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg, man müsse allerdings in den guten Zeiten so viel Geld verdienen, dass man die schlechten überstehen könne. Schumacher verwies auf das Beispiel zweier großer japanischer Hersteller. "Der eine hat zyklisch agiert, der ist weg, der andere antizyklisch, und der ist noch da."

Schwierigkeiten gebe es bei dieser Art der Unternehmensführung allerdings mit den Gremien. Schumacher: "Stellen Sie sich vor, Sie schreiben gerade 500 Millionen Verlust und der Umsatz bricht ein. Und dann gehen Sie zur Bank und wollen eine Milliarde für Investitionen." Auch in den Aufsichtsräten seien solche Entscheidungen nicht immer durchsetzbar.

Trotz der bekannten Zyklizität des Halbleitermarktes seien genaue Prognosen nicht erstellbar, weshalb man, auch bedingt durch die kurze Halbwertszeit der Produkte, oft Entscheidungen treffen müsse, ohne sie vorher nach allen Seiten hin abzusichern. Schumacher: "Was nützt es dem Unternehmen, wenn eine Entscheidung wirklich von jedermann akzeptiert ist, nur leider erfolgt sie deshalb ein halbes Jahr zu spät? Dann ist es vorbei." Flexibilität sei also ein entscheidender Faktor in dieser Branche.

Runiöse Preiskämpfe

Der Infineon-Chef nahm auch zu den teilweise ruinösen Preiskämpfen der Chipproduzenten Stellung. Es sei trotz mehrmaliger Anläufe nie gelungen, eine halbwegs einheitliche Linie zu Stande zu bringen: "Einer ist jedes Mal ausgeschert, und zwar jedes Mal ein anderer." Der Konzentrationsprozess bei den Anbietern werde vermutlich noch weiter gehen, Infineon bleibe aber ein Top Player. Derzeit liege man auf Rang acht im Ranking der Halbleiter-Hersteller, sei bei Sicherheits- und Chipkarten, beim Ethernet und bei Hochfrequenz aber die Nummer Eins. Stolz zeigte sich Schumacher auch über die Führerschaft am Weltmarkt bei der 300-Millimeter-Fertigung am Standort Dresden.