Das Geschäft mit den negativen Ionen
Im Gegensatz zu Europa, wo immer wieder Diskussionen über die negative Wirkung von elektrischer Strahlung oder Handystrahlung im Gange sind, haben die Gadget-liebenden Japaner nun einen neuen Trend für sich entdeckt:
Sie schwören auf Haarföhns, Klimaanlagen und andere elektronische Geräte, die negative Ionen ausstoßen und somit angeblich das Wohlbefinden steigern und die Laune heben.
Der Mythos um die negativen Ionen
Die Anhänger trauen ihren Wellness-Ionen so gut wie alles zu. Sie sollen den Benzinverbrauch eines Autos genauso senken können wie erschöpfte Muskeln wieder auf Trab zu bringen.
Keine wissenschaftlichen Beweise
Von wissenschaftlicher Seite gibt es bis heute keine Beweise über
die postive Wirkung der negativen Ionen auf den Menschen. Hisakuni
Sato, ein Chemiker der Universität von Yokohama sieht das ganze als
"eine Art Kult". Fest steht, die Luft im Hochgebirge und an
Wasserfällen enthält eine hohe Anzahl negativer Ionen. Doch ob die
Erholung der Menschen an diesen Orten mit der Ionenanzahl oder doch
einfach mit Urlaub in der schönen Natur, der frischen Luft und der
angenehmen Temperatur zusammenhängt, ist fraglich.
Yokohama National UniversityProdukte sind allesamt Verkaufsschlager
Die japanischen Elektronikhersteller haben natürlich auf diesen Trend reagiert und produzieren immer mehr Geräte, die negative Ionen ausstoßen. Die Geräte sind allesamt Top-Seller beim japanischen Publikum.
Akihiko Oiwa, Sprecher von Sanyo, bestätigt, dass die Hersteller ihre Produkte gemäß den Kundenwünschen nun verstärkt mit dem neuen Feature ausstatten. Sanyo selbst hat bereits Ventilatoren und Klimaanlagen, die negative Ionen in der Luft verteilen, im Programm.
"Wir wissen zwar nicht genau wie die negativen Ionen wirken. Aber wir wissen, dass sie keinesfalls gefährlich sind," sagt Oiwa.
320 USD teurer "Air Purifier"
Ob die Wirkung der negativen Ionen wissenschaftlich erwiesen oder
einfach nur Humbug ist, kümmert die Käufer wenig. Kimiko Ishikawa
besitzt bereits einen 320 USD teuren "Air Purifier" von Matsushita,
der die Luft nicht nur mit herkömmlichen Filtern reinigen sondern
sie auch mit den vermeintlichen Wohlfühl-Ionen versorgen soll.
Matsushita"Wenn ich dann mal mit meiner Tochter schimpfe, erklärt sie mir, dass die negativen Ionen auf mich wohl doch nicht wirken," lacht die 46-Jahre-alte Hausfrau. "Aber hätte ich es mir nicht gekauft, würde ich mich immer fragen, wie die Luft mit den negativen Ionen wohl wäre."
"Negative Ionen wie in der Natur"
Kazuhiko Zushi, Marketing-Leiter bei Matsushita, betont ausdrücklich, dass seine Firma seinen Kunden nur erzählt, dass die Geräte negative Ionen produzieren, die normalerweise in natürlicher Umgebung vorkommen. Man verspreche aber keinerlei gesundheitliche Vorteile dadurch.
Doch an den negativen Ionen, die von den Geräte produziert werden, ist freilich nichts natürliches mehr.
Sie entstehen dadurch, dass starker elektrischer Stom duch ein dünnes Stück Metall geleitet wird, und die so aufgeladenen Atome dann in der Luft verteilt werden.
ToshibaVentilatoren, Luftentfeuchter und Staubsauger
Auch Toshiba verkauft Ventilatoren und Luftentfeuchter, die negative Ionen erzeugen. Und Hitachi hat bereits 100.000 Stück seiner Wellness-Haarföhns abgesetzt, weit mehr als seit dem Verkaufsstart vor fünf Monaten erwartet.
Hitachi und Matsushita planen jetzt einen Staubsauger mit dem Negative-Ionen-Feature auf den Markt zu bringen.
Ob die Geräte künftig auch außerhalb von Japan verkauft werden sollen, steht bisher noch nicht fest.
Hitachi
