Der unaufhaltsame Fall der T-Aktie
Der unaufhaltsame Fall der T-Aktie wird für Telekom-Chef Ron Sommer zu einem Albtraum ohne Ende.
Seit Tagen eilt das Papier von einem Allzeittief zum nächsten. Die schlechte Stimmung an den Kapitalmärkten und in der Telekom-Branche ziehen wie ein Mühlstein die T-Aktie nach unten. Auch wenn die Aktien der Konkurrenten wie Vodafone oder France Telecom ebenfalls unter die Räder gerieten, die T-Aktie kratzt in besonderer Weise an den Befindlichkeiten der Branche.
"Der gesamte Markt geht runter"
Selbst erfahrene Telekom-Analysten können den dramatischen
Absturz nicht mehr mit Fundamentaldaten erklären. "Der gesamte Markt
geht runter", sagt Markus Glockenmeier von Delbrück Privatbankiers.
Deutsche Telekom90 Prozent des Wertes verloren
Seit ihrem Höchststand im Frühjahr 2000 hat die T-Aktie rund 90 Prozent an Wert verloren. Innerhalb von zwei Jahren wurde durch den Kursabsturz ein Aktionärsvermögen von 300 Milliarden Euro vernichtet.
Zu den Verlierern gehören inzwischen auch die T-Aktionäre der ersten Stunde. Wer beim Börsengang 1996 beispielsweise 300 Papiere zum Ausgabekurs von 14,57 Euro erhielt, hat heute - ohne Treueaktien und Dividenden - 1300 Euro verloren. Wer bei der dritten Tranche Mitte 2000 für rund 65 Euro T-Aktien erwarb, hat über 80 Prozent seines Einsatzes verspielt. Kassiert hat damals nicht die Telekom, sondern der Bund, der sich erstmals von Anteilen getrennt hatte.
Aufstockung der Managergehälter
Sauer sind die Kleinanleger vor allem über die vollmundigen
Versprechungen Sommers: Die Aktie sei eine sichere Anlage für die
Rente. Auf der letzten Hauptversammlung Ende Mai bekam der
Telekom-Chef den geballten Zorn der Kleinaktionäre zu spüren. Erbost
waren sie nicht nur über den Niedergang der T-Aktie. Auch die
Aufstockung der Managergehälter bei tiefroten Zahlen und
Dividendenkürzung löste bei ihnen Unverständnis aus.
Deutsche Telekom kann Schuldenberg nicht verkleinernRücktrittsforderungen werden lauter
Forderungen nach einem Rücktritt des 54-jährigen Managers werden wieder lauter. Aber sowohl der Aufsichtsrat wie auch Bundeskanzler Gerhard Schröder haben sich schützend vor Sommer gestellt. Er habe eine guten Job gemacht und sei nicht für das Debakel verantwortlich.
Eine Alternative zu Sommer ist derzeit auch nicht in Sicht. Der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser, der in der Presse schon einmal als ein möglicher Kandidat genannt wurde, kommt wegen eines noch laufenden Ermittlungsverfahrens derzeit kaum in Betracht. Bei einer internen Lösung gilt Mobilfunkchef Kai-Uwe Ricke als Favorit für den Posten. Aber was könnte ein Nachfolger schon besser machen, fragen Analysten.
Mit einem Verkauf von VoiceStream würden sich Verschuldung [67 Mrd. Euro] und Verluste der Telekom zwar schneller verringern lassen. Doch für die US-Tochter wäre kein potenzieller Erwerber bereit, den Preis zu zahlen, den die Telekom seinerzeit auf den Tisch blätterte [35 Mrd. Euro]. Und der Bonner Riese würde seine gesamte Strategie in Frage stellen.
