Machtlos gegen Film-Streams aus Teheran
Nachdem die Filmindustrie die "Online-Videothek" Movie88.com im Februar schließen ließ, ist jetzt ein ähnliches Service mit ähnlichem Namen online gegangen, das sich dem Zugriff der Motion Picture Association of America [MPAA] dadurch entzieht, dass es von Teheran aus betrieben wird.
Damit hat Film88.com gegenüber seinem Vorgänger, der von Taiwan aus agierte, den Vorteil, dass US-Gerichte dem Service nichts anhaben könnnen, denn schon seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es nicht einmal mehr diplomatische Beziehungen zwischen den USA und dem Iran.
"Movie88 ist tot," ließ der Film88.com-Macher Hail Hami in einer E-Mail verlauten, betonte allerdings, dass Teile des Personals des Vorgängers jetzt für ihn arbeiten.
Motion Picture Association of AmericaNur leihen
Hollywood dürfte über das neue Service nicht besonders erfreut sein, auch wenn Film88.com "nur" Streams anbietet, die mit RealNetworks RealOne-Player angeschaut werden können.
Dabei erwirbt man für einen oder 1,5 USD für drei Tage die Möglichkeit, einen Film beliebig oft anzuschauen.
Aber obwohl Film88.com seine Geschäfte vom Iran aus betreibt, will das Unternehmen die Rechteinhaber sogar mit einem Prozentsatz an den Gewinnen beteiligen - nur eben aus einer Positon der Stärke heraus.
Für die MPAA gäbe es derezit nur die Möglichkeit, Film88.com die "com"-Adresse sperren zu lassen. Aber diese Maßnahme wäre wahrscheinlich eine Lösung, die nur einige Stunden greifen würde.
Film88.comNoch ein Rückschlag
Der Start von Film88.com ist schon die zweite schlechte Nachricht für die US-Filmindustrie in dieser Woche:
Ein Gremium, dem die größten Hollywood-Studios und wichtige Vertreter der Hardware-Industrie angehören, hat gestern ein Papier zur umfassenden Einführung von Kopierschutz-Technologien zum Schutz von digitalen TV-Inhalten vorgelegt.
Nachdem das Papier veröffentlicht war, hagelte es allerdings Kritik von Teilen der Hardware-Industrie, so dass sich die Hoffnung auf eine gemeinsames Vorgehen der Inhalte- und Geräte-Anbieter zunächst wieder zu zerschlagen scheint.
Nach dem Papier sollen alle HDTV-Inhalte [High Definition Television] zukünftig mit digitalen Wasserzeichen gekennzeichnet und Festplattenvideorekorder, DVD-Rekorder und andere Geräte mit entsprechenden Systemen ausgerüstet werden. Konsumenten könnten danach TV-Inhalte nur noch begrenzt kopieren, der Online-Tausch soll durch das System ganz unterbunden werden.
Kopierschutz für digitale TV-InhalteUnd täglich grüßt das Netz
Dazu werden die Sorgen der Filmindustrie durch den anhaltenden Trend zu Film-Downloads noch verstärkt:
Derzeit werden täglich zwischen 400.000 und 600.000 Filme aus dem Netz heruntergeladen.
Auf diese Schätzung kommen die Marktforscher von Viant Corp., die sich mit Online-Piraterie befassen. Die aktuellen Zahlen liegen damit um 20 Prozent über denen des Vorjahres.
Täglich 500.000 Filmdownloads
