Netz-Community gegen Euro-Abzocker
Ein "konkretes Werkzeug" gegen Euro-Preistreiber hatte die deutsche Verbraucherschutzministerin Renate Künast vor dem "Anti-Teuro-Gipfel" versprochen, ein Internet-Beschwerdeforum kam heraus.
Die Adresse im Computernetz ist das Ergebnis der gut zweistündigen Aussprache, nach der die "schwarzen Schafe" früheren Ankündigungen zufolge unfaire Preise wieder herunterrechnen sollten.
Im Internet können die Verbraucher ihrem Ärger Luft machen und die Unternehmen können ihnen antworten - können, müssen aber nicht. Künast sagte unmissverständlich: "Der Handel kann dann Stellung nehmen, oder auch nicht".
"Unglücklicher Zufall"
"Trotz wiederholter Aufforderung zur Stellungnahme hat das
Unternehmen auf die Beschwerde nicht reagiert", heißt es dann auch
immer wieder auf der Webseite der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen, deren Internet-Beschwerdeforum als Muster für
die bundesweite Initiative dienen soll. Nehmen die Unternehmen
Stellung, ist meist von längst überfälligen "Preisanpassungen" die
Rede. Dass diese mit der Umstellung auf den Euro zusammenfielen, sei
ein "unglücklicher Zufall".
Auch deutsche Onlineshops "gesetzlos"Größere Eiskugel, höherer Preis
Insgesamt 1700 Beschwerden finden sich in dem nordrhein-westfälischen Internet-Forum. Die Antworten - wenn es denn welche gibt - gehen manchmal ins Absurde.
So antwortet eine Eisdiele auf dem Wucher-Vorwurf, die Eiskugel sei auf Wunsch der Kunden um 22 Prozent vergrößert worden, womit die reine Preiserhöhung "nur noch" mit 14 Prozent zu veranschlagen sei.
Eine Bäckerei steht dagegen ausdrücklich zu ihrem Preisaufschlag: "Wir arbeiten mittlerweile mit 49 Prozent Lohnkosten und benötigen diesen Preis zur Sicherung von 200 Arbeitsplätzen."
Frust durch "gefühlten Inflation"
Wirtschaftsexperten und auch das Umfeld der Ministerin hatten
bereits vor dem Gipfel vor allzu großen Erwartungen gewarnt: Es gebe
keinen rechtlichen Spielraum für Druck auf Euro-Abzocker.
Statistiker erklären den "Teuro"-Frust der Verbraucher mit einer
"gefühlten Inflation".
Verbraucherschutz NRW BeschwerdeforumWetterbedingter Preisanstieg
Der Preisanstieg bei einigen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Gebrauchs liege deutlich über der offiziellen Teuerungsrate und falle damit viel mehr auf.
Gründe seien vor allem der wetterbedingte Preisanstieg bei Obst- und Gemüse im Winter sowie Steuererhöhungen zum 1. Januar.
