Sommer als heiße Kartoffel
Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hat die Vergütung des Vorstands als leistungs- und erfolgsorientiert gerechtfertigt. Es habe keine 90-prozentige Anhebung der Gehälter für das Management gegeben, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Hans-Dietrich Winkhaus, zum Auftakt des Aktionärstreffens am Dienstag in Köln.
Die Steigerung sei vor allem auf Abfindungszahlungen an ehemalige Vorstände zurückzuführen. "Der Vorstand hat gute Arbeit geleistet", sagte Winkhaus unter Pfiffen und Gelächter von mehreren Tausend T-Aktionären. Die Vergütung der Gehälter entspreche internationalen Gepflogenheiten und bewege sich in einem angemessenen Rahmen.
DT mit RekordverlustenSommer ist nicht amüsiert
Den drastischen Absturz der T-Aktie hat Telekom-Chef Ron Sommer als in höchstem Maße unerfreulich bezeichnet. "Sie steht im krassen Gegensatz zur operativen Entwicklung des Konzerns", sagte er auf der Hauptversammlung in Köln.
Die Kursentwicklung in den vergangenen Wochen sei nicht mehr nachvollziehbar und nur mit psychologischen Mechanismen zu erklären.
Die T-Aktie war in den vergangenen Wochen weit unter ihren Ausgabepreis beim Börsengang 1996 [14,57 Euro] gefallen. Auch wenn die gesamte Branche betroffen sei, räumte Sommer auch Fehler ein. So habe sich das Unternehmen in der Einschätzung des Preisverfalls durch die extreme Regulierung geirrt.
Ron Sommers Posten wackeltKanzleramt will Sommer nach Wahl ablösen
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Eichel [beide SPD] wollen Telekom-Chef Ron Sommer der "Wirtschaftswoche" zufolge nach der Bundestagswahl ablösen lassen.
"Das Problem Deutsche Telekom muss nach der Bundestagswahl dringend gelöst werden", sagte ein Vertrauter von Schröder nach Angaben des Magazins. Selbst ein Regierungswechsel könne Sommer nicht retten.
Auch die Entscheider in Union und FDP wollten den Telekom-Chef noch vor Ablauf seines Vertrages im Jahr 2005 loswerden, wenn sich die öffentliche Stimmung weiter gegen ihn richte und der Kurs der T-Aktie auf niedrigem Niveau verharre.
Schröder selbst hatte Sommer noch Mitte Mai gegen Kritik verteidigt und keinen Grund für einen Wechsel an der Unternehmensspitze gesehen. "Liebe Leute, es besteht kein Anlass, den Mann auszuwechseln, der hat gut gearbeitet", sagte Schröder vor zwei Wochen.
Schröder stärkt Sommer den Rücken
