KPNQwest in Auflösung begriffen
Der angeschlagene niederländische Datenkommunikationsanbieter KPNQwest verhandelt nach Angaben aus Branchenkreisen mit mehreren Unternehmen über den Verkauf von Teilen seines Netzwerkes.
"Es gibt fünf bis zehn Unternehmen, die eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben haben", hieß es heute aus den Branchenkreisen. Firmen treffen solche Vereinbarungen, um zu verhindern, dass ihr Eigentum betreffende Daten an die Öffentlichkeit gelangen.
KPNQwest hatte gestern Gläubigerschutz beantragt, nachdem die Hauptanteilseigner Qwest und KPN nicht zu weiteren Finanzspritzen bereit waren und die Banken keine neuen Kredite gaben.
Die Aktien des Unternehmens stürzten heute um 56 Prozent auf 0,31 Euro ab. Gestern waren die Papiere den gesamten Tag vom Handel ausgesetzt gewesen. Seit Jahresbeginn haben KPNQwest-Papiere bereits 98 Prozent ihres Wertes verloren.
KPNQwest kurz vor dem KonkursResteverwertung
Aus den Branchenkreisen hieß es weiter, die Liste der in einem Bericht der britischen Tageszeitung "Financial Times" genannten Interessenten sei "ziemlich genau", es gebe aber weitere.
Die Zeitung nannte in ihrer Freitagsausgabe die britischen Telekom-Konzerne Cable & Wireless und BT, die US-Unternehmen AT&T und Verizon sowie die spanische Telefonica als mögliche Käufer.
KPNQwest hatte gestern mitgeteilt, das Unternehmen befinde sich in Gesprächen mit den Hauptanteilseignern und den Banken, um die weitere Finanzierung sicher zu stellen.
Allerdings sei es bisher nicht gelungen, Käufer für nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögensteile zu finden.
Gestern war zudem der Aufsichtsrat zurückgetreten, dem Vertreter der Hauptanteilseigner angehörten.
KPNQwestRekord-Verluste
Erst am Mittwoch hatte KPNQwest erklärt, Schätzungen, dass das Unternehmen im ersten Quartal einen Verlust von 283 Millionen Euro verzeichnet habe, seien eine "gute Annäherung an die untestierten Ergebnisse".
Damit wäre der Fehlbetrag im Quartal höher als im Gesamtjahr 2001, als der Konzern ein Minus von 266 Millionen Euro verzeichnet hatte. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte der Netto-Verlust noch bei 46,4 Millionen Euro gelegen.
2001: KPNQwest verdoppelt Verluste
