Konsolen gehen online
Nach der Preisschlacht, die sich die Konsolenhersteller Microsoft, Nintendo und Sony im Vorfeld der weltgrößten Gamingmesse E3 geliefert haben, setzen die großen Drei auf ein neues Geschäftsmodell: Online-Gaming.
Was im PC-Bereich bereits gang und gäbe ist, ist im Konsolenbereich mit einer Reihe von Hindernissen behaftet. So steht die Konsole beim Fernseher und nicht beim PC - was den Anschluss ans Netz erheblich erschwert. Darüber hinaus kann man Konsolenspielern nicht technische Feinheiten wie Lags, Einwahlnummern und DNS-Server zumuten - ein klarer Fall für Breitbandanschlüsse, die in einem Ethernetkabel enden: DSL, Breitband über TV-Kabel oder LAN.
Online-Gaming als Killerapp
Alle Hersteller wollen ihre Konsolen um jeden Preis online
bringen, gestehen aber allesamt ein, dass noch einige Zeit bis zur
Realisierung verstreichen wird. Allein die geringe
Breitband-Penetration, die in den meisten Ländern unter fünf Prozent
liegt, lässt die Connectivity-Planer verzweifeln.
Konsolenschlacht wird fortgesetztMicrosoft investiert zwei Milliarden USD
Microsoft will in den nächsten fünf Jahren zwei Milliarden USD investieren, um die Xbox in einem ehrgeizigen Gewaltakt online zu bringen. Auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles, die am Mittwoch ihre Pforten geöffnet hat, hat Microsoft sein Projekt "Xbox Live" vorgestellt. Ziel ist, die Xbox reif für Online-Games zu machen.
Xbox mit Ethernet standardmäßig
Die Xbox hat als einzige Konsole den Netzanschluss bereits
eingebaut - auf der Rückseite der Konsole befindet sich ein
Ethernetport. Xbox Live soll eine Bewertung des eigenen Spielkönnens
inkorporieren, um sich bei Bedarf mit annähernd gleich guten
Oppenenten zu messen. Standardmäßig ist auch eine Voice-Funktion
vorgesehen, die per Headset eine Koordination des Spielablaufs
ermöglicht.
XboxNintendo verzichtet auf Online-Lizenzgebühren
Auch Nintendo setzt große Hoffnungen in den Online-Gamingbereich.
Wie der japanische Spieleriese bei einem Pressegespräch in Los
Angeles erklärte, will Nintendo bei den monatlichen Gebühren, die
die Spielehersteller bei manchen Online-Diensten verlangen, keine
Lizenzgebühren mitschneiden. So soll der Anreiz, Online-Games für
den Gamecube zu produzieren, erhöht werden.
GameCubeSony bringt Breitbandadapter im Herbst
Sony will bereits im "Oktober oder November" dieses Jahres einen Breitband-Adapter für die Playstation 2 auf den Markt bringen. Der Konzern befindet sich dazu bereits in Gesprächen mit Telekoms wie France Telecom, British Telecom, Deutsche Telekom, Swisscom sowie NTL und Telewest.
Sony will mit dem Breitband-Adapter mehr als nur Online-Games ermöglichen. Die 40 Gigabyte große Festplatte, die mit dem Adapter mitgeliefert wird, soll die PS2 zu einem Entertainmentcenter machen. Personal Videorecorder-Funktionen [PVR] stehen ebenso auf dem Plan wie Websurfen, Instant Messaging oder CD-Ripping. Letzteres soll mit einem Digital Rights Management System gekoppelt sein, um nicht ein "neues Napster" entstehen zu lassen, wie Sony-Manager Phil Harrison betont.
Jede Harddisk soll über eine Seriennummer verfügen, die nur einmal vergeben wird und so eine eindeutige Identifizierung ermöglicht. "Dies soll nicht dazu verwendet werden, um unsere Kunden auszuspionieren, sondern um beim Umgang mit digitalen Daten der Industrie mehr Sicherzeit zu bieten", so Harrison.
Adapter wird vermietet
Der Breitbandadapter soll, wie derzeit bereits in Japan,
monatlich für rund 10 Euro vermietet werden. Auch ein Kaufmodell ist
angedacht, in diesem Fall soll der Adapter 180 Euro kosten.
PlaystationDiverse Geschäftsmodelle
Neben dem wackeligen Technologiemodell - Breitband ist bei weitem noch nicht dort, wo die Konsolenherstellern es gern sehen würden - sind eine Reihe von Experimenten beim Geschäftsmodell zu erwarten.
Nintendo etwa erwartet sich allein vom Reiz des Online-Gamings einen erhöhten Absatz von Konsole und Spielen, während andere Hersteller auf ein Subskriptionsmodell setzen und so ihren Umsatz pushen wollen. Bis sich Online-Gaming bei Konsolen durchsetzt, könnte "durchaus noch einige Zeit vergehen", wie es David Reeves, Europachef von Sony Entertainment, ausdrückt.
