22.05.2002

AMEN

Bildquelle: ml

Dot.com-Absolution für 100 Mio. USD

Mit einer außergewöhnlichen Einigung wurde gestern ein weiteres dunkles Kapitel der Dot.com-Hysterie "bewältigt":

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich - bevor es zu einem Prozess kam - mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer im Streit um angeblich irreführende Aktienempfehlungen geeinigt.

Das größte US-Brokerhaus wird insgesamt 100 Millionen USD zahlen und das Vergütungverfahren bei Analysten ändern, teilte Merrill mit. Im Gegenzug würden die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Bank fallen gelassen.

Internet-Aktie ein "Stück Ramsch"

Spitzer hatte der Bank vorgeworfen, sich mit manipulierten Aktienempfehlungen Honorare von den jeweiligen Unternehmen gesichert zu haben. Dadurch seien Anleger um Millionenbeträge geschädigt worden.

Im April hatte der New Yorker Generalstaatsanwalt E-Mails veröffentlicht, in der ein Merrill-Analyst eine Internet-Aktie als "Stück Ramsch" bezeichnete. Gleichzeitig habe er die Firma, einen großen Merrill-Kunden, mit der höchsten Einstufung bewertet.

Merrill Lynch sicherte jetzt in der außergerichtlichen Einigung zu, in der Bilanz die Einnahmen aus Analysten-Studien künftig von den Erlösen aus dem Investmentbanking zu trennen. Zudem würden die Analysten von nun an nur noch für solche Dienstleistungen entlohnt, die den Anleger-Kunden zu Gute kämen.

Darüber hinaus soll die elektronische Kommunikation zwischen Bankern und Analysten den Angaben zufolge künftig kontrolliert und Aktienempfehlungen von einem neutralen Gremium auf ihre Objektivität hin überprüft werden.

Die wahren Kosten der Dot.com-Blase

Ein anderer Schritt zur Aufarbeitung der Dot.com-Blase ist schon durch die neuen, verbindlichen US-Bilanzierungsregeln erfolgt, nach denen die wahren Kosten des Dot.com-Booms erstmals klar beziffert werden können:

Seit Beginn dieses Jahres müssen US-Firmen den so genannten "Goodwill"-Anteil an Unternehmenskäufen nämlich jährlich angeben. Der Goodwill-Anteil ist jener, der über den objektiven Preis hinaus bezahlt wurde - und dieser war während des Internet-Hypes in der Regel Schwindel erregend hoch.