Zeppeline als Überwachungs-Satelliten
Der "Krieg gegen den Terrorismus" und die drastische Erhöhung des US-Militärbudgets geben dem Konzept, unbemannte Lufschiffe als Überwachungs- und Kommunikations-Satelliten einzusetzen, wieder Auftrieb:
Das North American Air Defense Command [NORAD] untersucht derzeit Pläne, Luftschiffe mit starrer Konstruktion in rund 20 Kilometer Höhe zu stationieren, um die US-Grenzen zu überwachen. Die "Hochfliegende Plattformen" [HP] könnten dabei sowohl kostengünstiger als auch wesentlich flexibler als konventionelle Satelliten arbeiten.
Gegenüber Überwachungsflugzeugen haben die Luftschiffe den Vorteil des permanenten Betriebs und des fixen Standortes. Ein Vorteil gegenüber Satelliten wären die wesentlich exakteren Bilder, die die Luftschiffe durch ihre niedrige Flughöhe liefern könnten - was allerdings schon im Vorfeld Privacy-Bedenken auslöst.
Ein Rekordkuchen
Die aktuelle Erhöhung des US-Verteidigungsbudgets um 48
Milliarden USD ist die deutlichste seit 20 Jahren. Nach der
Aufstockung beträgt der Wehretat 379 Milliarden USD. Das
Gesamtbudget beläuft sich auf 2,1 Billionen USD. Präsident George
Bush plant zudem für die kommenden fünf Jahre eine Erhöhung der
jährlichen Verteidigungsausgaben um insgesamt 120 Milliarden auf 451
Milliarden USD.
Patriotische Geschäfte für IT-IndustrieTraditionen
Schon derzeit werden Blimps [ohne starre Konstruktion], die rund fünf Kilometer hoch fliegen, von den US-Behörden zur Kontrolle der mexiakanischen Grenze eingesetzt.
Und auch das Konzept, Zepelline mit starrer Konstruktion als kostengünstige Satelliten-Alternative einzusetzen, wird schon seit geraumer Zeit diskutiert:
Schon 1999 stellte ein Team um den Luftfahrtingenieur Bernd Kröplin an der Stuttgarter Universität entsprechende Pläne vor, die allerdings mangels Fianzierung nie ernsthaft erprobt wurden.
In den letzten Jahren ist die Zeppelin-Idee gleich mehrfach wiederbelebt worden. Am traditionellen Standort in Friedrichshafen wurde der relativ kleine Zeppelin-NT [Neue Technolgie] vor allem für touristische Anwendungen entwickelt. Der riesige CargoLifter wird in den nächsten Jahren von einem internationalen Konsortium in Brandenburg gebaut und soll unabhängig von Straßen und Infrastruktur Schwertransporte bis zu 160 Tonnen bewältigen.
Zeppelin als Satelliten-ErsatzDer große Zeppelin sieht dich
Ein Luftschiff, das in 20 Kilometer Höhe schwebt, könnte ein Gebiet mit einem Durchmesser von rund 500 Kilometer überwachen. Vor der Realisierung der HPs müssten aber noch Probleme beim An- und Auftrieb sowie der Energieversorgung gelöst werden.
NORAD liegen allerdings nach eigenen Angaben schon Design-Studien von Lockheed Martin und Boeing vor. Boeing will zudem mit der deutschen CargoLifter-Gesellschaft zusammenarbeiten, um die Probleme von Luftschiffen, die in großer Höhe operieren, weiter zu erforschen - dezidiert auch für militärische Anwendungen.
Bislang ist in den NORAD-Plänen zwar nur davon die Rede, die HPs mit Radar auszurüsten., aber ein NORAD-Sprecher sagte auch, dass die Luftschiffe natürlich auch andere Geräte tragen könnten.
"Radar wäre harmlos," meinte dazu David Banisar von Privacy International, "aber wenn sie Video-Systeme einsetzen, hätten wir ein Problem - allerdings klingen die Konzepte derzeit noch sehr obskur."
North American Air Defense Command
