16.05.2002

FREMDE WÖRTER

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Software verfälscht Videostimmen

Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology [MIT] haben eine Software entwickelt, die buchstäblich Wörter im Mund verdrehen kann.

So können Videos von Personen erstellt werden, in denen sie Sätze sagen, die sie nie wirklich verwendet haben - alles eine Softwareleistung, die ethische Bedenken aufwirft.

In einer Vorführung wurde eine Frau gezeigt, die einen normalen Satz in Richtung Kamera sprach. Nach der Software-Nachbearbeitung zeigte das Video die gleiche Frau, die gänzlich andere Wörter benutzte - sie sang sogar einen japanischen Song, obwohl sie die japanische Sprache nicht beherrscht.

Aus Alt mach Neu

"Das ist wirklich eine hervorragende Arbeit", meint Demetri Terzopoulos, ein führender Spezialist in Gesichtsanimation und Professor der Computer- und Mathematikwissenschaften an der New York University. "Aber wir befinden uns dabei auf Kollisionskurs mit der Ethik. Wenn man Leute Dinge sagen lässt, die sie nie so gesagt haben, kann das fatale Auswirkungen nach sich ziehen."

Die Forscher haben die Technologie bereits an einem Video von Ted Koppel, Moderator von "Nightline" des Fernsehsenders ABC, um seinen Talk realistisch ins Spanische zu übersetzen. Die gleiche Technologie könnte aber auch dazu verwendet werden, politische Dissidenten zu desavouieren oder im Web Falschinformationen zu verbreiten.

Testpersonen sehen keinen Unterschied

Laut den MIT-Forschern sei es aber nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Hürde übersprungen wird. Bereits jetzt können Testpersonen das gefälschte nicht vom realen Video unterscheiden.

Limitierter Einsatz

Derzeit ist die Technologie noch limitiert - sie funktioniert nur bei Videos, in denen sich die Person minimal bewegt, wie etwa bei einem Nachrichtensprecher.

Das neue Video wird dabei vom Rechner und der Software halb automatisch erstellt - man muss das Programm nur mit dem neuen Audiokommentar füttern. Die dazupassenden Videoframes werden automatisch gefunden und neu arrangiert.