Japaner überlistet Fingerabdrucksysteme
Der japanische Kryptographie-Experte Tsutomu Matsumoto hat Methoden entdeckt, um Fingerabdruck-Sicherheitssysteme zu umgehen.
Das hat insofern Implikationen für die Biometrie-Industrie, als die Identifikation per Fingerabdruck bis dato immer als extrem sicher galt.
Matsumoto, Professor an der Yokohama National University, hat gezeigt, dass mit Ingredienzien im Wert von rund zehn Euro beinahe alle Fingerabdruck-Systeme überlistbar sind. Dazu verwendet Matsumoto Plastik und Gelatine - aus letzterem werden unter anderem auch Gummibären hergestellt.
Gelatine statt Finger
Nach dem Anfertigen eines Plastikabdruckes eines Fingers wird die
fertige Gussform mit Gelatine gefüllt. Die daraus entstehende
Gelatine-Kopie eines Fingerabdrucks täuscht rund achtzig Prozent der
elektronischen Fingerabdruck-Systeme.
US-Einreise bald nur mit FingerabdruckFremde Fingerabdrücke von glatten Oberflächen
Ein weiteres Experiment umfasste das kriminaltechnisch relevantere Anwendungsgebiet von latent vorhandenen Fingerabdrücken, die etwa auf glatten Flächen haften bleiben. Der Fingerabdruck auf einer Glasfläche wird mit einem Adhäsiv bestäubt, um ihn besser sichtbar zu machen. Danach wird der Abdruck mit einer Digicam fotografiert, in einem Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeitet und schließlich auf einer Folie ausgedruckt.
Der Ausdruck wird dazu verwendet, um eine fotosensitive Platine zu belichten, den Rest wegzuätzen und schließlich die Gelatine aufzutragen. Die fertige Kopie überlistet immerhin 60 Prozent der getesteten Geräte.
Systeme halten Gelatinefinger für lebendig
Der gefälschte Fingerabdruck kann leicht auf den eigenen Finger
gepresst und nachher verspeist werden, sodass die Methode auch bei
manueller Überwachung funktioniert. Mit dem Applizieren von
Feuchtigkeit können laut Matsumoto auch Systeme überlistet werden,
die den Finger auf "Lebendigkeit" testen wollen.
Mehr von Matsumotos Forschungen [PDF]Elf Systeme im Test
Insgesamt wurden elf kommerzielle Biometriesysteme getestet. Die Geräte verwendeten sowohl optische als auch kapazitative Messgrößen.
