"Netzwerkkinder" ohne Moral und Ethik
Die dpa hat sich anlässlich des siebenten deutschen "Trendtags" bei einem Kommunikationswissenschaftler über die Befindlichkeiten "der Netzwerkkinder" erkundigt.
Demnach gibt es ein zunehmendes Bedürfnis nach ständiger Bestätigung, das vor allem bei jungen Menschen, die vernetzt und interaktiv aufwachsen, gut zu beobachten sein soll.
Das häufige Telefonieren mit dem Handy und die SMS-Nutzung sind laut dem Forscher Peter Wippermann Belege für die Suche nach Sicherheit.
Der siebente deutsche Trendtag, zu dem Referenten aus dem In- und Ausland erwartet werden, steht unter dem Titel "Sofortvertrauen: Die neue Moral der Netzwerkkinder". Der Kongress ist mit 400 Teilnehmern aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien bereits ausgebucht.
TrendtagMoral und Ethik in Gefahr?
Auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die vom "Sofortvertrauen" gekennzeichnet sei, könnten zudem Moral und Ethik nach Ansicht des Forschers schon bald ihre Gültigkeit verlieren.
"Wir sind gerade dabei, diese Begriffe zu verlassen und in eine neue Gesellschaftsform überzugehen", meint Wippermann. Vertrauensstandards, wie sie über Generationen hinweg vorausgesetzt wurden, existierten dann nicht mehr.
Nomadenleben
Die "Fernanwesenheit" ist demnach durch Handy und Internet schon längst zu einem neuen Lebensstil geworden. Seitdem sich beide flächendeckend durchgesetzt hätten, stehe die ständige Erreichbarkeit des Menschen nicht länger im Gegensatz zu dessen "Nomadenleben".
"Hyper-Robinsonade" durch neue Medien
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat schon vor einem Jahr vor einer "Hyper-Robinsonade" infolge der neuen Medien gewarnt - und dafür teils herbe Kritik eingesteckt.
Der Zug zu individualistischen Lebens- und Denkformen auf Massenbasis habe durch die Medientechnologie der letzten Jahre bereits epidemische Ausmaße angenommen, meinte der Wissenschaftler.
Die durchschnittliche Medienausstattung der Wohnungen erlaube es dem Einzelnen, sich auf einer eigenen virtuellen Insel zu etablieren und Kommunikation von Insel zu Insel zu betreiben, erklärte Sloterdijk.
Für Inselbewohner scheine nichts natürlicher zu sein, als interinsuläre Beziehungen zu pflegen. Folglich sei der eigentliche Titel der modernen Telekommunikationen "verbundene Isolation", sagte der Rektor der Karlsruher Hochschule für Gestaltung weiter.
"Hyper-Robinsonade" durch neue Medien
