15.05.2002

BABYLON

Bildquelle: tt

"Netzwerkkinder" ohne Moral und Ethik

Die dpa hat sich anlässlich des siebenten deutschen "Trendtags" bei einem Kommunikationswissenschaftler über die Befindlichkeiten "der Netzwerkkinder" erkundigt.

Demnach gibt es ein zunehmendes Bedürfnis nach ständiger Bestätigung, das vor allem bei jungen Menschen, die vernetzt und interaktiv aufwachsen, gut zu beobachten sein soll.

Das häufige Telefonieren mit dem Handy und die SMS-Nutzung sind laut dem Forscher Peter Wippermann Belege für die Suche nach Sicherheit.

Moral und Ethik in Gefahr?

Auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die vom "Sofortvertrauen" gekennzeichnet sei, könnten zudem Moral und Ethik nach Ansicht des Forschers schon bald ihre Gültigkeit verlieren.

"Wir sind gerade dabei, diese Begriffe zu verlassen und in eine neue Gesellschaftsform überzugehen", meint Wippermann. Vertrauensstandards, wie sie über Generationen hinweg vorausgesetzt wurden, existierten dann nicht mehr.

Nomadenleben

Die "Fernanwesenheit" ist demnach durch Handy und Internet schon längst zu einem neuen Lebensstil geworden. Seitdem sich beide flächendeckend durchgesetzt hätten, stehe die ständige Erreichbarkeit des Menschen nicht länger im Gegensatz zu dessen "Nomadenleben".

"Hyper-Robinsonade" durch neue Medien

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat schon vor einem Jahr vor einer "Hyper-Robinsonade" infolge der neuen Medien gewarnt - und dafür teils herbe Kritik eingesteckt.

Der Zug zu individualistischen Lebens- und Denkformen auf Massenbasis habe durch die Medientechnologie der letzten Jahre bereits epidemische Ausmaße angenommen, meinte der Wissenschaftler.

Die durchschnittliche Medienausstattung der Wohnungen erlaube es dem Einzelnen, sich auf einer eigenen virtuellen Insel zu etablieren und Kommunikation von Insel zu Insel zu betreiben, erklärte Sloterdijk.