Libro überlegt außergerichtlichen Ausgleich
Mit einem außergerichtlichen Ausgleich will die schwer angeschlagenen Buch- und Medienhandelskette Libro den drohenden Konkurs noch einmal abwenden.
Gläubigerbanken und Lieferanten müssten dabei auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten, Libro wäre in einem Kraftakt entschuldet. Die Banken, die bis auf die Raiffeisen Zentralbank [RZB] kein frisches Geld mehr in die Hand nehmen wollen, werden sich am Mittwoch oder am Donnerstag doch noch einmal an einen Tisch setzen.
Über mögliche vernünftige Lösungen werde man sicher weitersprechen, heißt es aus Bankenkreisen.
Zwei Tranchen bereits erhalten
Konkret will Libro den Gläubigern Ende Juni bzw. Ende Juli statt
der im Vorjahr vereinbarten Ausgleichsquote von 8,5 Prozent oder
zehn Millionen Euro 12,5 Prozent oder rund 14 Mio. Euro anbieten.
Damit hätten die Gläubiger, die bereits zwei Tranchen [vier und 3,5
Prozent] erhalten haben, insgesamt 20 Prozent kassiert.
LibroInsider sind skeptisch
Im Gegenzug müssten die Gläubiger auf die andere Hälfte der Quote oder auf 20 Prozent ihrer damaligen Ausgleichsforderungen verzichten.
Sollte sich Libro mit den Lieferanten einigen können, würden die Gläubigerbanken komplett auf ihre 40-prozentige Ausgleichsquote verzichten. Die Bankverbindlichkeiten der Buchhandelskette betrugen bei Ausgleichseröffnung vor einem Jahr 174 Millionen Euro.
Insider stehen dieser Lösung eher skeptisch gegenüber. Um diesem Vorschlag zuzustimmen, müsste auch ein Konkursszenario zum Vergleich vorliegen. Außerdem müsste die angebotene Kassaquote mit einer Bankgarantie abgesichert werden. Voraussetzung für eine außergerichtliche Lösung ist jedenfalls die Zustimmung aller Gläubiger und das dürfte in diesem Fall nicht leicht sein, so ein Skeptiker.
Finanzbedarf ständig nachgebessert
Verärgert sind die Banken über die ständig neuen Zahlen zum Libro-Finanzbedarf. War ursprünglich von unter 20 Millionen Euro die Rede, wurde zuletzt von 40 Millionen gesprochen. Um im Juni bzw. Juli die Ausgleichsquote und Urlaubsgeld zahlen zu können und neue Ware einzukaufen, muss das Unternehmen kurzfristig zumindest 20 Millionen Euro flüssig machen.
Amadeus wird selbst weitergeführt
In der Zwischenzeit wird mit Hochdruck nach einem Investor gesucht. Verhandlungen mit zumindest vier Interessenten laufen, heißt es. Bereits bei Ausgleichseröffnung vor rund einem Jahr haben die Gläubigerschutzverbände gewarnt, dass die Fortführung des Unternehmens ohne finanzkräftigem Partner nicht funktionieren werde.
Um den Verkauf der Buchhandelskette Amadeus hat man sich lange bemüht und dann mangels Käufers angekündigt, den Bereich selber weiterführen zu wollen.
