12.05.2002

BEWEISE

Bildquelle: 21stFA

Computer-Animationen vor Gericht

In den USA boomt seit einiger Zeit ein spezielles Geschäft mit Computer-Animationen, das allerdings im Gegensatz zu den Hollywood-Blockbustern aus dem Rechner heftig umstritten ist:

Animationen, die in Gerichtsverfahren zum Einsatz kommen und den Tathergang illustrieren sollen, haben eine eigene Branche hervorgebracht, der inzwischen rund 100 Unternehmen angehören, die 2001 etwa 30 Millionen USD umgesetzt haben.

Die Firmen stehen prinzipiell allen Parteien zur Verfügung - soweit diese bereit sind ihre Dienste zu bezahlen.

Kritiker monieren vor allem, dass die Computer-Filme eigentlich nur eine suggestive Fassung der Ermittlungsergebnisse liefern, also keine neuen Erkenntnisse vermitteln, aber dafür oft Lücken in der Beweiskette scheinbar füllen, indem sie eine mögliche Variante des Hergangs zeigen.

"Erfolgreiche" Premiere

Besonders problematisch wird der Einsatz der Animationen bei Strafverfahren vor Geschworenen-Gerichten eingeschätzt, da die Laien-Jurys sich besonders leicht durch die scheinbar objektiven Filme beeinflussen lassen.

Die Kritiker sahen sich unlängst bestätigt, als der US-Bundesstaat Pennsylvania erstmals die Vorführung einer Computer-Animation vor Gericht zuließ und sich die Geschworenen auffällig schnell und einmütig über die Schuld des Angeklagten einig wurden, nachdem ein Film der Firma 21st Forensic Animation den vorgeblichen Tathergang drastisch bebildert hatte.

Ein virtueller "Blutsonntag"

Ein eher unumstrittenes Beispiel für den Einsatz der Animationen vor Gericht lieferte unterdessen die Kommission um den irischen "Blutsonntag" von Londonderry:

Britische Soldaten hatten am 30. Jänner 1972 in eine Demonstration geschossen und 13 Katholiken getötet. 1998 setzte Premierminister Tony Blair eine neue Untersuchungskommission ein, die im März 2000 ihre Arbeit aufnahm und sie im Jahre 2004 abschließen soll.