Computer-Animationen vor Gericht
In den USA boomt seit einiger Zeit ein spezielles Geschäft mit Computer-Animationen, das allerdings im Gegensatz zu den Hollywood-Blockbustern aus dem Rechner heftig umstritten ist:
Animationen, die in Gerichtsverfahren zum Einsatz kommen und den Tathergang illustrieren sollen, haben eine eigene Branche hervorgebracht, der inzwischen rund 100 Unternehmen angehören, die 2001 etwa 30 Millionen USD umgesetzt haben.
Die Firmen stehen prinzipiell allen Parteien zur Verfügung - soweit diese bereit sind ihre Dienste zu bezahlen.
Kritiker monieren vor allem, dass die Computer-Filme eigentlich nur eine suggestive Fassung der Ermittlungsergebnisse liefern, also keine neuen Erkenntnisse vermitteln, aber dafür oft Lücken in der Beweiskette scheinbar füllen, indem sie eine mögliche Variante des Hergangs zeigen.
Ein Großteil der Animationen beschäftigt sich allerdings noch mit Verkehrsunfällen in zivilen Rechtsstreitigkeiten. Einige Unternehmen der Branche:
L. K. Parks"Erfolgreiche" Premiere
Besonders problematisch wird der Einsatz der Animationen bei Strafverfahren vor Geschworenen-Gerichten eingeschätzt, da die Laien-Jurys sich besonders leicht durch die scheinbar objektiven Filme beeinflussen lassen.
Die Kritiker sahen sich unlängst bestätigt, als der US-Bundesstaat Pennsylvania erstmals die Vorführung einer Computer-Animation vor Gericht zuließ und sich die Geschworenen auffällig schnell und einmütig über die Schuld des Angeklagten einig wurden, nachdem ein Film der Firma 21st Forensic Animation den vorgeblichen Tathergang drastisch bebildert hatte.
Das Unternehmen war vom Staatsanwalt beauftragt worden und die Animation schilderte seine Sicht der Tat - die Verteidiger hatten dem keinen Computer-Film entgegen gesetzt. In dem konkreten Fall war ein Ex-Polizist des Mordes an seiner Frau angeklagt. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
21st Forensic AnimationEin virtueller "Blutsonntag"
Ein eher unumstrittenes Beispiel für den Einsatz der Animationen vor Gericht lieferte unterdessen die Kommission um den irischen "Blutsonntag" von Londonderry:
Britische Soldaten hatten am 30. Jänner 1972 in eine Demonstration geschossen und 13 Katholiken getötet. 1998 setzte Premierminister Tony Blair eine neue Untersuchungskommission ein, die im März 2000 ihre Arbeit aufnahm und sie im Jahre 2004 abschließen soll.
Die Kommission greift bei ihren Ermittlungen vor allem deshalb auf Computer-Bilder zurück, weil große Teile des Stadtteils, in dem sich die Ereignisse zutrugen, komplett umgebaut wurde.
Bloody Sunday Inquiry
