Schicksalstag für Milliardenprojekt "Adonis"
Deadline für den Großauftrag Errichtung und Betrieb des Behördenfunknetzes Adonis: Das Bundesvergabeamt hat vor zwei Wochen seine Empfehlung für das Bieterkonsortium Master-Talk, ein Joint-venture von Siemens und den Wiener Stadtwerken, ausgesprochen.
Daraufhin haben die beiden unterlegenen Bewerber [Tetratel, ein Konsortium von Austro Control, Kapsch und Motorola einerseits, sowie Telekom Austria andererseits] Schlichtungsanträge bei der Bundesvergabekontrollkommission gestellt.
Über die Anträge soll heute entschieden werden.
Master-Talk bekommt Zuschlag für Behördenfunknetz
Die interne Vergabeentscheidung wurde am 12. April in einem
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Master-Talk und Tetratel getroffen. In
einem Punkteverfahren lag Master-Talk mit 87,171 Punkten knapp vor
Tetratel mit 84,456 Punkten. Telekom Austria war dagegen mit 55,920
Punkten weit abgeschlagen. TA hat die Grundausstattung für die
Regierungsstellen [24.500 Endgeräte] um mehr als 50 Prozent teurer
angeboten als Tetratel als billigster.
Master-Talk errichtet BehördenfunknetzProjekt "Adonis" könnte noch platzen
Wenn die Kommission Verfahrensmängel feststellt, kann sich das Projekt durch eine einstweilige Verfügung um mindestens ein bis zwei Monate verzögern.
Falls das Projekt in ein Rechtsverfahren beim Verfassungsgerichtshof [VfGH] ausufert, könnte das Innenministerium als zuständige Behörde das Megaprojekt überhaupt platzen lassen, wird aus Bieterkreisen verlautbart.
Neues Vergabeverfahren?
Die Kommission kann das Vergabeverfahren noch einmal dem
Bundesvergabeamt zuweisen. Dieses hätte dann als erste und
gleichzeitig letzte Instanz laut Bundesvergabegesetz die
Möglichkeit, noch einmal zu entscheiden, was im Juristenjargon
"Kassieren" genannt wird. De iure bedeutet das die Aufhebung der
Erstentscheidung. Danach kann ein ausgeschiedener Bewerber aber noch
als außerordentliches Rechtsmittel den VfGH anrufen, womit das
Projekt auf die lange Bank geschoben würde.
Verfassungsgerichtshof1,2 Milliarden Euro Auftragsvolumen
Adonis ist einer der größten Aufträge, den die Republik bisher zu vergeben hatte.
Das Auftragsvolumen wird für die nächsten 15 Jahre auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt, wobei es um insgesamt 80.000 Funkgeräte für die Bundesgendarmerie und Sicherheitsdienste wie Rettung und Feuerwehr geht.
24.500 Funkgeräte sind davon für die Netze des Innenministeriums und der Landesverteidigung bestimmt, der Zentralrechner soll im Innenministerium stehen.
Master-Talk punktete vor allem mit einem deutlichen Preisvorteil im Endausbau für 80.000 Endgeräte.
