RIAA kontert File-Sharing-Studie
Die Recording Industry Association of America [RIAA] greift die Ende April veröffentlichte Studie des Marktforschers Jupiter Media Metrix zum Kaufverhalten von Tauschbörsen-Usern scharf an.
Die Interessensvertretung der US-Musikindustrie liefert eine eigene Umfrage, die ganz andere Daten liefert. Laut der Studie von Jupiter MM kaufen häufige MP3-Tauscher mehr Musik-CDs als jene, die weniger oft online Musik tauschen.
Die Musikindustrie hatte kurz zuvor in einer Bilanz den Rückgang der CD-Verkäufe um 6,5 Prozent vor allem auf Online-Piraterie und CD-Brenner zurückgeführt.
Weniger Umsatzeinbußen als erwartetVorgehen kritisiert
Der Vorwurf der RIAA an Jupiter MM betrifft einerseits die Auswahl der 3.000 Befragten, andererseits werden die Korrelationen der Studie in Frage gestellt.
Die RIAA behauptet, dass ein wesentlicher Teil ihrer Umsatzeinbußen auf MP3-Tauscher unter 18 Jahren zurückgeht. In der Studie von Jupiter MM wurden aber ausschließlich Erwachsene befragt.
Zudem seien sowohl MP3-Tauscher als auch CD-Käufer Musikliebhaber. Daraus eine Wechselwirkung zwischen Download- bzw. Tauschverhalten und Kaufverhalten zu konstruieren sei unzulässig.
Aram Sinnreich, der Autor der umstrittenen Studie und Analyst bei Jupiter MM, lässt nur einen Kritikpunkt gelten. Es wurden tatsächlich nur Erwachsene befragt. Gleichzeitig bezweifelte er aber den übermäßig großen Einfluss der unter 18-Jährigen. Die Kritik an den behaupteten Wechselwirkungen wies er mit dem Hinweis zurück, die Jupiter-Studie habe sie so nicht aufgestellt. Es handle sich um eine Missinterpretation der Daten. Die Studie stelle keine Korrelationen auf, sondern eine "kausale Relation" zwischen der Häufigkeit des Besuchs von Online-Tauschbörsen und der Häufigkeit des Musikkaufs.
Jupiter-MM-StudieNerven liegen blank
In einer eigenen Umfrage, die zeitlich nach der kritisierten Studie unter 2.225 Teilnehmern durchgeführt wurde, kommt die RIAA zu einem gänzlich anderen Ergebnis als Jupiter: Online-Piraterie bringt demnach eindeutig Umsatzrückgänge.
Laut RIAA-Umfrage sagen 30 Prozent der "Heavy music buyers" unter 30 Jahren, dass sie "keine Musik kaufen, weil sie den Großteil kostenlos laden und kopieren können."
Der RIAA-Umfrage wirft der zuständige Jupiter-Analyst wiederum Parteilichkeit vor und wunderte sich über die heftige Kritik der Musiklobby. Die große öffentliche Aufmerksamkeit der RIAA für eine einzelne Studie sei unüblich. "Ich habe das noch nie erlebt", so Sinnreich. "Ich habe wohl einen Nerv getroffen."
RIAA
