07.05.2002

NACH ERFURT

Bildquelle: counter-strike.de

Auch Lego-Piraten haben Messer

Die Diskussion über "Gewaltspiele" nach dem Massaker von Erfurt scheint nach pauschalen Verurteilungen und dem Ruf nach schnellen Restriktionen in den letzten zwei Wochen jetzt differenzierter zu werden.

Sponsoren von LAN-Partys schlagen gemäßtigtere Töne an, die Spieleindustrie scheint aus der Defensive zu kommen, und sogar die zuständige Stelle für die Indizierung jugengefährdender Inhalte warnt vor Pauschalurteilen.

Der deutsche Verband für Unterhaltungssoftware [VUD] hat gestern vor "vorschnellen und ungerechtfertigten Schuldzuweisungen" gegen Computerspiel-Hersteller gewarnt.

Die Software-Hersteller warnten auch vor unwirksamen Verboten. Stattdessen sollten Kinder und Jugendliche zu kritischen Mediennutzern erzogen werden. Das sei eine Aufgabe, der sich Eltern, Lehrer und Politiker stellen müssten.

Mit Lego Massaker üben

Ob "Counter-Strike" tatsächlich verboten wird, bleibt unterdessen abzuwarten: Online-Spiele seien generell schwieriger zu beurteilen als andere PC-Spiele, sagte Elke Monsen-Engberding von der deutschen Prüfstelle für jugendgefährdende Schriften.

"Bei normalen Spielen ist der Spielverlauf vorgegeben, bei Spielen wie 'Counter-Strike' ist er immer abhängig von den Spielern." Die Problematik sei ähnlich wie bei einem Lego-Piratenschiff. Auch hier könne der Spieler einem Piraten ein Messer beigeben.

"Wenn Sie allein vor einem solchen Online-Spiel sitzen, passiert erst einmal gar nichts." Zur Entscheidungsfindung der Prüfstelle seien deshalb erstmals zwei Spieler eingeladen, die das umstrittene "Counter-Strike" vorführen sollen.

Sponsoren

Und auch von Sponsoren, die bisher LAN-Partys unterstützt haben, sind heute schon differenzierte Kommentare zu vernehmen, nachdem der Tenor am Wochenende noch in Richtung der Beendigung der Engagements ging.

Die Absage des "Große Bebens 5" in Erfurt ist nach Angaben von AMD-Sprecher Jan Gütter "keine grundsätzliche Entscheidung". AMD habe sich gemeinsam mit den Betreibern "aus Respekt vor den Opfern" für diesen Schritt entschieden, sagte ein Unternehmenssprecher.

Nach einem solchen Ereignis wäre eine Spielveranstaltung egal welcher Art "pietätlos" gewesen. Mit diesem Schritt habe AMD keine generelle Entscheidung getroffen. "Wir werden auch künftig von Fall zu Fall entscheiden, ob für uns ein Sponsoring in Frage kommt."