Hynix-Verkauf an Micron geplatzt
Der Aufstieg des US-Chipherstellers Micron zur weltweiten Nummer eins bei Speicherbausteinen ist gescheitert.
Der Vorstand des südkoreanischen Hynix-Konzerns lehnte heute offenbar auf Druck der Gewerkschaften den milliardenschweren Verkauf seines Speicherchipgeschäfts ab.
Micron ist derzeit die Nummer zwei auf dem Weltmarkt und hätte mit Hynix den Branchenführer Samsung Electronics überholt.
Infineon nicht länger interessiert
Der Münchner Infineon-Konzern, der im Februar aus dem
Bieterrennen um die Hynix-Speichersparte ausgestiegen war, will nach
eigenem Bekunden nun keinen neuen Anlauf bei den Südkoreanern
nehmen.
Infineon will Hynix-BeteiligungHynix ohne Speichersparte überlebensfähig?
"Die Vereinbarung mit Micron ist geplatzt", sagte Lee Youn Soo, Chef des Hynix-Großgläubigers Korea Exchange Bank.
Nach Angaben eines Hynix-Sprechers fiel die Vorstandsentscheidung einstimmig. Konzernchef Park Chong Sup habe seinen Rücktritt angeboten.
In einer Erklärung äußerte der Hynix-Vorstand Zweifel daran, ob der Rest von Hynix ohne die Speichersparte noch überlebensfähig sein würde.
Hynix von Insolvenz bedroht
Vertreter einiger Banken rechnen damit, dass Hynix nun Insolvenz
beantragen muss, weil die Gläubiger nicht mehr bereit sein werden,
neues Geld in das Unternehmen zu schießen. Micron hatte für Hynix
rund 108,6 Millionen eigene Aktien geboten. Damit ergab sich nach
aktuellem Kurs ein Übernahmewert von rund drei Milliarden USD [3,3
Mrd. Euro].
Micron will Speichersparte von HynixRote Stirnbänder und kahl rasierte Köpfe
Die Übernahmegespräche werden seit Monaten von Streikdrohungen der Gewerkschaften begleitet, die für Hynix als drittgrößten Speicherchiphersteller der Welt noch eine eigenständige Zukunft sehen.
Während der Vorstandssitzung demonstrierten Dutzende Gewerkschaftsvertreter mit roten Stirnbändern und kahl rasierten Köpfen in der Hynix-Zentrale.
Nach Angaben der Gewerkschafter haben rund 80 Prozent der Belegschaft ihre Kündigung angekündigt, sollte die Micron-Übernahme gebilligt werden. Bei Hynix arbeiten insgesamt 13.000 Menschen.
