Irrfahrt der Polizei im Netz
Der bei dem Massenmörder am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt gefundene Computer hatte keinerlei Anschluss, das Internet war es diesmal also nicht.
In Verruf geraten sind dafür wieder einmal Ego-Shooter-Games, und um drei Ecken brachte die Polizei dann doch wieder das Netz ins Spiel.
Weiter unten geben wir die Überlegungen des Polizeichefs ungekürzt wieder, in Agenturprosa gefasst seitens der AFP. Die angebliche Homepage des Täters wurde weder übermittelt noch ist sie irgendwo aufzufinden.
Weltberühmt für ein paar Tage
Allein mit der Verknüpfung "killing" und "Erfurt" finden sich bei
Google bereits sechzig Pages, zumeist Medienartikel von Südafrika
bis Kanada. Der Name des Amokläufers wird in deutschprachigen Medien
fast durchwegs anonymisiert verwendet [Robert S.], in den
englischsprachigen durchwegs nicht.
Videospiele zwischen Hexenjagd und RealitätOriginaltext Agence France Presse
"Eine offenbar gefälschte persönliche Internet-Homepage des Amokschützen von Erfurt hat am Sonntag für Aufsehen gesorgt.
Neben dem am Wochenende in zahlreichen Medien veröffentlichten Bild des Täters Robert S. wird auf der Seite unter der Überschrift 'Willkommen auf meiner kleinen Weltnetzseite' die Tat von Erfurt indirekt angekündigt.
'Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich jetzt Amok laufen müsste, (...) wenn mich die egoistischen Stasi-Lehrer wieder den ganzen Tag mit ihren Integralrechnungen versaut haben', heißt es unter anderem auf der Homepage. Die Polizei schloss nicht aus, dass die Seite nicht von S., sondern nach dessen Selbsttötung von einem Fälscher ins Internet gestellt wurde."
Nach Polizeiangaben wurde die Seite zuletzt am Freitag, dem Tattag, um 23.30 Uhr akualisiert. Zu diesem Zeitpunkt war S. aber bereits seit mehr als zwölf Stunden tot. Der Erfurter Polizeichef Rainer Grube betonte, die Seite stamme möglicherweise von einem Trittbrettfahrer. Möglich sei allerdings auch, dass eine "zweite Person" Zugriff auf die Seite habe.
Das Medienecho im Netz
