26.04.2002

USA

Analysten im Visier der Börsenaufsicht

Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC untersucht die Vorwürfe gegen Analysten an der Wall Street, sie lieferten häufig geschönte Aktienprognosen. Wegen der Vorwürfe ermittelt bereits seit über zehn Monaten auch die New Yorker Justiz.

Nach Angaben von Justizvertretern sollen sich Merrill-Lynch-Analysten in privaten E-Mails abschätzig über Unternehmen geäußert haben, für die sie in der Öffentlichkeit Kaufempfehlungen abgaben.

In einer E-Mail, die im Rahmen einer zehnmonatigen Untersuchung des Bundesstaates ans Tageslicht kam, hat ein Analyst angeblich eine Internet-Aktie als "Stück Ramsch" bezeichnet. Gleichzeitig habe er die Firma, einen großen Merrill-Kunden, mit der höchsten Einstufung bewertet.

"Chinese Wall" fehlt

Vor allem der Interessenkonflikt zwischen den Investment- und Forschungsabteilungen der Geschäftsbanken werden von der SEC unter die Lupe genommen.

Diese Abteilungen sollen theoretisch strikt getrennt arbeiten, um die Unabhängigkeit der Analysten zu sichern: Während die Investmentabteilung Unternehmen etwa bei Börsengängen und Fusionen berät, ist die Forschungsabteilung für die objektive Analyse des Marktes zuständig.

Den Banken wird jedoch besonders seit dem Platzen der Dot.com-Blase von vielen Anlegern vorgeworfen, die Objektivität der Analysten den Geschäftsinteressen geopfert zu haben: Um sich Verträge mit den Börsenunternehmen zu sichern, stellten die Analysten oft unrealistisch positive Aktienprognosen für diese Unternehmen aus.