Debatte über Sperre der Who-is-Daten

29.06.2006

Die Internet-Verwaltung ICANN sorgt derzeit mit dem Vorhaben, den öffentlichen Zugriff auf die Einträge in der Who-is-Datenbank zu beschränken, für Diskussionen. Dagegen laufen weltweit Behörden Sturm, die auf die Datensätze zurückgreifen, um kriminelle Handlungen aufzudecken.

Geht es nach den Überlegungen der ICANN, so würden die Domaindaten in Zukunft nur noch für technische Fragen zur Verfügung stehen, denn das Who-is sei nur eine Hilfsdatenbank, um das reibungslose technische Funktionieren des Internets sicherzustellen.

Behörden und Konsumentenschützer wehren sich gegen die Bestrebungen und wenden ein, dass dies die Verfolgung von Online-Straftaten erschweren würde.

In der Domaindatenbank Who-is werden Informationen zu Webadressbesitzern, Ansprechpartern und den zuständigen Technikadministratoren festgehalten und stehen jedermann öffentlich zur Online-Abfrage bereit.

Info-Tool für Ermittlungsbehörden

FTC-Kommissar Jon Leibowitz führt vor allem das Vorgehen gegen Spammer und Online-Piraten an, das durch die Datenbank erheblich erleichtert werde.

"Die Who-is-Datenbank war für unsere Ermittler in den vergangenen zehn Jahren oftmals die erste Informationsquelle, um Verdächtige zu identifizieren. Mit diesen Daten konnten wir Kriminelle aufspüren und deren Aktivitäten stoppen", so Leibowitz.

Sofern die Daten aktuell seien, würden sie eine große Hilfe für die Ermittlungsbehörden darstellen, argumentiert die FTC. Aber selbst falsche Informationen hätten schon Hinweise enthalten, die letztlich zu einer Verurteilung geführt haben.

Zahl der .at-Domains wächst

Derzeit tragen 530.589 Websites und E-Mail-Domains die Internet-Endung .at.

Transparenz des Internets

"Das Who-is ist ein wichtiger Pfeiler für die Transparenz des Internets", meint Barbara Schloßbauer, Leiterin der Rechtsabteilung bei der österreichischen Internet-Verwaltung Nic.at.

"Es gewährt jedermann Einblick, wer hinter einer bestimmten Website steht. Schon allein im Hinblick auf die durch das Mediengesetz geforderte Impressumspflicht von Webseiten ist das Who-is eine wichtige Informationsquelle", so Schloßbauer.

Datenmissbrauch durch Spammer

Oft diskutiert wird auch die Möglichkeit des "Aberntens" von Who-is-Einträgen, um an E-Mail-Adressen zu kommen, die dann an Spammer weiterverkauft werden und somit eine Hauptquelle für Werbemassenmails darstellen. Hier bieten einige Registrare die Möglichkeit, Telefonnummer und E-Mail-Adresse auszublenden.

"Uns liegen die Daten für den Notfall vor, öffentlich zugänglich ist dann nur mehr die Postadresse des Domaininhabers", so Schloßbauer.

Aktualisierung ist vorgeschrieben

Zur Aktualität der Daten meint die Juristin: "Unsere AGBs schreiben eine Aktualisierung durch den Inhaber vor. Gegen 'Micky Maus-Einträge gehen wir natürlich vor, jedoch können wir nicht alle Daten selbst überprüfen."

80 Prozent der Daten würden jedoch ohnehin bei Providern vorliegen, und "diese haben ein natürliches Interesse, ihre Daten aktuell zu halten", so Schloßbauer.

(pte.at)