Probleme von der Seele chatten
In Deutschland hat jetzt an der Panorama-Fachklinik für Psychosomatik in Scheidegg ein neuartiges Projekt begonnen, bei dem psychisch Kranke nach ihrer stationären Behandlung von ihren Therapeuten online weiterbetreut werden.
Nach knapp vier Monaten zogen die Experten eine positive Zwischenbilanz: Wer nach der Entlassung aus der Klinik im Internet mit seinem Therapeuten chattet, meistert seinen Alltag wesentlich besser.
Ziel des Projekts: Rückfälle verhindern
"Es fällt psychosomatisch Kranken erfahrungsgemäß schwer, in der
Klinik errungene Therapieerfolge auch zu Hause umzusetzen", sagte
der Chefarzt der Fachklinik, Christian Dogs. Daher seien Rückfälle
nicht selten. Ziel des Internet-Projekts sei es, die Zeit bis zur
ambulanten Weiterbehandlung zu überbrücken und solche Rückfälle zu
verhindern.
Panorama-Fachklinik90 Minuten Gruppenchat pro Woche
Der Projektleiter der Forschungsstelle, Hans Kordy, erwartet nach eigenen Angaben, auf diese Weise die mittelfristige Rückfallquote ehemaliger Klinikpatienten von derzeit 30 auf 15 Prozent halbieren zu können.
Im Rahmen des Projekts treffen einander jeweils zehn bis zwölf ehemalige Scheidegg-Patienten mit ihrem Therapeuten jede Woche für 90 Minuten zum Gruppenchat im Internet, um ihre Probleme zu besprechen.
Obwohl viele der Teilnehmer anfangs kaum Internet-Erfahrung hatten, beteiligen sich durchschnittlich 84 Prozent von ihnen an den Online-Gesprächen.
Das körperliche und psychische Befinden der Patienten habe sich laut Kordy im Verlauf des Ende Dezember vergangenen Jahres gestarteten Projekts auf gutem Niveau eingependelt.
Verbindliche Ergebnisse 2003
"Diese positiven Eindrücke ermutigen und machen neugierig auf die
Studienergebnisse", sagte Projektleiter Kordy. Verbindliche Aussagen
über den kurzfristigen Effekt der Gruppengespräche im Internet
erwarten die Experten für das Frühjahr 2003.
Forschungsstelle für Psychotherapie in StuttgartGroßes Vertrauen im Chatroom
Der Scheidegger Oberarzt Thomas Wangemann zeigte sich als einer der Internet-Therapeuten zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen.
Er sprach von einer überraschend positiven Resonanz und Akzeptanz von Seiten der Patienten. Die Offenheit und Bereitschaft, auch schwierige persönliche Themen einzubringen, sei durchaus mit direkten Gesprächsgruppen vergleichbar.
Die Anteilnahme, die in dem Chatroom herrsche, schaffe ein Klima des Vertrauens, das es den Teilnehmern erleichtere, sich gemeinsam auch sehr konfliktreichen Themen zu stellen.
Therapie im virtuellen Raum
Mit einem neuen Ansatz zur Verarbeitung von Phobien beschäftigten
sich schon Ende 1999 Forscher am HIT-Lab [Human Interface
Technology] in Washington. Sie schufen eine virtuelle Umwelt, in der
der Patient zunächst spielerisch mit einer Cyber-Variante seines
täglichen Albtraumes konfrontiert wird.
Phobien im Cyberspace therapieren
