19.04.2002

THERAPIE

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Probleme von der Seele chatten

In Deutschland hat jetzt an der Panorama-Fachklinik für Psychosomatik in Scheidegg ein neuartiges Projekt begonnen, bei dem psychisch Kranke nach ihrer stationären Behandlung von ihren Therapeuten online weiterbetreut werden.

Nach knapp vier Monaten zogen die Experten eine positive Zwischenbilanz: Wer nach der Entlassung aus der Klinik im Internet mit seinem Therapeuten chattet, meistert seinen Alltag wesentlich besser.

90 Minuten Gruppenchat pro Woche

Der Projektleiter der Forschungsstelle, Hans Kordy, erwartet nach eigenen Angaben, auf diese Weise die mittelfristige Rückfallquote ehemaliger Klinikpatienten von derzeit 30 auf 15 Prozent halbieren zu können.

Im Rahmen des Projekts treffen einander jeweils zehn bis zwölf ehemalige Scheidegg-Patienten mit ihrem Therapeuten jede Woche für 90 Minuten zum Gruppenchat im Internet, um ihre Probleme zu besprechen.

Obwohl viele der Teilnehmer anfangs kaum Internet-Erfahrung hatten, beteiligen sich durchschnittlich 84 Prozent von ihnen an den Online-Gesprächen.

Das körperliche und psychische Befinden der Patienten habe sich laut Kordy im Verlauf des Ende Dezember vergangenen Jahres gestarteten Projekts auf gutem Niveau eingependelt.

Großes Vertrauen im Chatroom

Der Scheidegger Oberarzt Thomas Wangemann zeigte sich als einer der Internet-Therapeuten zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen.

Er sprach von einer überraschend positiven Resonanz und Akzeptanz von Seiten der Patienten. Die Offenheit und Bereitschaft, auch schwierige persönliche Themen einzubringen, sei durchaus mit direkten Gesprächsgruppen vergleichbar.

Die Anteilnahme, die in dem Chatroom herrsche, schaffe ein Klima des Vertrauens, das es den Teilnehmern erleichtere, sich gemeinsam auch sehr konfliktreichen Themen zu stellen.