Microsoft-Zeuge war nicht vorbereitet
Mit seiner Zeugenaussage zu Gunsten von Microsoft im Kartellprozess hat der Chef des Chipherstellers AMD, Jerry Sanders III, dem Softwaregiganten möglicherweise einen schlechten Dienst erwiesen.
Seine schriftlich eingereichte Aussage sei auf Bitten von Microsoft-Gründer Bill Gates zu Stande gekommen, obwohl er die Sachlage selbst nicht analysiert habe, sagte Sanders in Washington bei einer Anhörung.
"Wir haben gehofft, dass Microsoft AMD als die einzige verbliebene Alternative zum Monopol von Intel unterstützen wird", sagte Sanders.
"Industrie um 20 Jahre zurück"
In seiner Eingabe hatte der Chef des weltweit zweitgrößten
Chipherstellers aus Sunnivale die Forderungen von neun
US-Bundesstaaten als kontraproduktiv geschildert. Konkurrenten
müssten Software für mehrere Windows-Versionen gleichzeitig
entwickeln. Das werfe die Industrie um 20 Jahre zurück.
AMD-Chef sagt für Microsoft ausSanders hat Forderungen nie gelesen
Sanders räumte allerdings ein, dass er die Forderungen der Bundesstaaten selbst nie gelesen hat.
Howard Gutman, Anwalt der Bundesstaaten, schloss daraus, dass Sanders nur die Meinung Bill Gates' nachbete. Diese Behauptung wies Sanders zurück. Den Grund für Sanders' Pro-Microsoft-Haltung sah Gutman in einem Telefonat zwischen Sanders und Gates. Darin soll es um die Unterstützung Microsofts für den neuen 64-Bit-Hammer-Prozessor von AMD gegangen sein. AMD habe einen lauffähigen Prototypen des 64-Bit-Hammer und habe versucht, die Unterstützung Microsofts zu gewinnen, bevor diese sich für ein ebenfalls in Entwicklung befindliches Intel-Produkt entscheiden.
Bundesstaaten fordern schärfere Auflagen
Microsoft soll nach dem Willen von neun Bundesstaaten gezwungen
werden, eine Basisversion des Betriebssystems "Windows" anzubieten.
Das Justizministerium hatte sich nach dem Schuldspruch wegen
Wettbewerbsverstöße mit Microsoft außergerichtlich auf Änderungen
der Geschäftspraxis geeinigt. Die Bundesstaaten fordern jedoch
schärfere Auflagen.
Microsoft"Auflagen helfen Konkurrenz und nicht Verbrauchern"
Nach Auffassung von Kevin Murphy, Volkswirt der Universität von Chicago, helfen die von den Bundesstaaten geforderten Auflagen eher der Konkurrenz als den Verbrauchern.
Sanders und Murphy waren die ersten Zeugen, die Microsoft in dem Verfahren aufrief. In den vergangenen vier Wochen hatten Vertreter der Bundesstaaten ihre Argumente vorgetragen. Die Anhörungen dürften noch mehrere Wochen dauern.
