Der Kampf der "Cultures"
Aufbaustrategiespiele galten lange Zeit als eher unspektakulär. Stunden fressend und langwierig tat sich selten genug auf dem Schirm, um auch für Nicht-Fans interessant zu sein. "Cultures 2" bietet ausreichend optische Nahrung - je höher der "Wuselfaktor", desto schwieriger wird jedoch das Handling der einzelnen Figuren.
Das Spielprinzip
"Cultures" ist eine Mischung aus "Die Sims" und "Die Siedler" mit einer Prise Rollenspiel. Die Figuren haben Bedürfnisse, die nicht einfach durch Bereitstellung von Nahrung und Wohnraum zu befriedigen sind. Die Wikinger bedürfen der Konversation, brauchen Schlaf, wollen Sex und auch Kinder.
Die Rollen sind klar verteilt. Frauen sorgen am Herd für das Wohl der Familie, Männer werden Bäcker, Tischler oder Bauarbeiter.
Der Held der Geschichte
Wie im ersten Teil der nunmehrigen Serie sind auch diesmal wieder
die Wikinger am Siedeln. Bjarni, der Sohn des Anführers aus dem
ersten Teil, hat die Nachfolge angetreten. Auf der Suche nach drei
Helden aus einer Vision führt er seine Wikinger quer durch Europa
bis in den Nahen Osten.
Die Entwickler: FunaticsZeitraubende Levels, gute Grafik
Optisch ist "Cultures 2" durchaus befriedigend. Die Wikinger sind detailreich animiert, die Umgebung wimmelt von Tieren, dazwischen fliegen Schmetterlinge. Allerdings fordert die Detailreiche ihren Tribut: Unter PII 450 MHz [oder kompatibel] und 128 MB RAM tut sich wenig. Wer ein ruckelfreies Spiel bevorzugt, sollte ausreichend gerüstet sein.
Das Leveldesign ist überproportional. Die Levels sind im Vergleich zum Vorgänger 16 Mal größer, was lange Wege und Spielzeiten bedeutet. Auch das Aufbauen einer funktionierenden Siedlung kann mehrere Stunden dauern. Dementsprechend sollte das Zeitbudget geplant werden.
Musik und Hintergrundgeräusche sind unaufdringlich und damit im ausreichenden Maß. Die Sprache der Wikinger ist unverständlich und erinnert stark an "Die Sims".
Mehr Überblick über die Siedlung
Wer bei anderen Simulationen leicht den Überblick über seine
Siedlung verloren hat, dem kann bei "Cultures 2" vielleicht geholfen
werden. Die Häuser haben Ausbaustufen, das heißt, es muss nicht
abgerissen und neu gebaut werden, um eine höherwertige Produktion zu
erreichen. Damit kann es nicht so leicht zu einer Zersiedelung
kommen und die Wege in der Siedlung bleiben kurz.
Cultures 2Auch für Pazifisten
Die Missionsziele sind eher untypisch für das Genre. Sie folgen einer Geschichte, die sich im Laufe des Spiels erhellt. Eines der Ziele ist, einen Normannenprinzen namens Romeo mit seiner Julia heimlich zu verheiraten und den aufgebrachten Brautvater mit der Vertreibung eines feindlichen Wikingerstamms zu besänftigen.
Anders als etwa bei "Die Siedler" muss eine Kampagne nicht unbedingt kämpferisch gewonnen werden. Wer es lieber unblutig mag, kann auch durch Diplomatie und Geschenke den Feind zum Freunde machen.
Das Militärsystem ist freilich gut sortiert und bietet Speerträger, Bogenschützen und Schwertkämpfer. Katapulte verstärken die Angriffswucht und verschiedene Rüstungen die einzelnen Soldaten. In der überarbeiteten Version von "Cultures 2" ist es nun auch einfacher, die gegnerische Partei kämpferisch zu besiegen.
Spielmodi und Multiplayer
Wer lieber gemeinsam spielt, kann im Multiplayermodus im LAN oder
Internet gegen bis zu fünf andere Spieler antreten. Im LAN ist dazu
nur eine Spiele-CD erforderlich. Es gibt extra Multiplayer-Karten
und Modi wie "Capture the Flag" und die Abwandlung "Capture the
Cow". Zusätzlich zur Hauptkampagne gibt es noch acht
Einzelspielerkarten.
JoWooDDie unter der Maus verhungern
Die Bedürfnisse der Wikinger stellen harte Anforderungen an den Spieler. Schnell ist ein Träger gelangweilt und beschwert sich, wenn er nichts zu tragen findet oder die Produktion in seiner Arbeitsstätte stockt.
Auch die Nahrungsbeschaffung auf Trab zu halten ist nicht ganz einfach. Wer eine schnelle Expansion durch eine hohe Kinderzahl will, muss aufpassen, dass ihm die Wikinger nicht unter der Maus verhungern. Je höher also der Wuselfaktor, desto schwieriger auch die Handhabung.
Das ausführliche Handbuch und die Tutorials können helfen, Licht in das Spiel zu bringen, und erleichtern auch Anfängern den Einstieg. Ebenfalls hilfreich, manchmal aber auch gefährlich sind Kisten, die quer über die Levels verstreut sind und Bonusgüter oder wilde Tiere beinhalten.
