15.04.2002

SPIEL & KRITIK

Bildquelle: Jowood

Der Kampf der "Cultures"

Aufbaustrategiespiele galten lange Zeit als eher unspektakulär. Stunden fressend und langwierig tat sich selten genug auf dem Schirm, um auch für Nicht-Fans interessant zu sein. "Cultures 2" bietet ausreichend optische Nahrung - je höher der "Wuselfaktor", desto schwieriger wird jedoch das Handling der einzelnen Figuren.

Das Spielprinzip

"Cultures" ist eine Mischung aus "Die Sims" und "Die Siedler" mit einer Prise Rollenspiel. Die Figuren haben Bedürfnisse, die nicht einfach durch Bereitstellung von Nahrung und Wohnraum zu befriedigen sind. Die Wikinger bedürfen der Konversation, brauchen Schlaf, wollen Sex und auch Kinder.

Die Rollen sind klar verteilt. Frauen sorgen am Herd für das Wohl der Familie, Männer werden Bäcker, Tischler oder Bauarbeiter.

Zeitraubende Levels, gute Grafik

Optisch ist "Cultures 2" durchaus befriedigend. Die Wikinger sind detailreich animiert, die Umgebung wimmelt von Tieren, dazwischen fliegen Schmetterlinge. Allerdings fordert die Detailreiche ihren Tribut: Unter PII 450 MHz [oder kompatibel] und 128 MB RAM tut sich wenig. Wer ein ruckelfreies Spiel bevorzugt, sollte ausreichend gerüstet sein.

Das Leveldesign ist überproportional. Die Levels sind im Vergleich zum Vorgänger 16 Mal größer, was lange Wege und Spielzeiten bedeutet. Auch das Aufbauen einer funktionierenden Siedlung kann mehrere Stunden dauern. Dementsprechend sollte das Zeitbudget geplant werden.

Musik und Hintergrundgeräusche sind unaufdringlich und damit im ausreichenden Maß. Die Sprache der Wikinger ist unverständlich und erinnert stark an "Die Sims".

Auch für Pazifisten

Die Missionsziele sind eher untypisch für das Genre. Sie folgen einer Geschichte, die sich im Laufe des Spiels erhellt. Eines der Ziele ist, einen Normannenprinzen namens Romeo mit seiner Julia heimlich zu verheiraten und den aufgebrachten Brautvater mit der Vertreibung eines feindlichen Wikingerstamms zu besänftigen.

Anders als etwa bei "Die Siedler" muss eine Kampagne nicht unbedingt kämpferisch gewonnen werden. Wer es lieber unblutig mag, kann auch durch Diplomatie und Geschenke den Feind zum Freunde machen.

Das Militärsystem ist freilich gut sortiert und bietet Speerträger, Bogenschützen und Schwertkämpfer. Katapulte verstärken die Angriffswucht und verschiedene Rüstungen die einzelnen Soldaten. In der überarbeiteten Version von "Cultures 2" ist es nun auch einfacher, die gegnerische Partei kämpferisch zu besiegen.

Die unter der Maus verhungern

Die Bedürfnisse der Wikinger stellen harte Anforderungen an den Spieler. Schnell ist ein Träger gelangweilt und beschwert sich, wenn er nichts zu tragen findet oder die Produktion in seiner Arbeitsstätte stockt.

Auch die Nahrungsbeschaffung auf Trab zu halten ist nicht ganz einfach. Wer eine schnelle Expansion durch eine hohe Kinderzahl will, muss aufpassen, dass ihm die Wikinger nicht unter der Maus verhungern. Je höher also der Wuselfaktor, desto schwieriger auch die Handhabung.

Das ausführliche Handbuch und die Tutorials können helfen, Licht in das Spiel zu bringen, und erleichtern auch Anfängern den Einstieg. Ebenfalls hilfreich, manchmal aber auch gefährlich sind Kisten, die quer über die Levels verstreut sind und Bonusgüter oder wilde Tiere beinhalten.