Welche Inhalte kostenpflichtig werden
Das Anbieten von kostenpflichtigen Inhalten im Internet kommt vor allem für Special-Interest-Medien sowie zusätzliche Leistungen wie Datenbanken und Archivfunktionen in Frage.
Den Basisdienst wollen im Web etablierte Medien fürs Erste auch weiterhin gratis anbieten.
Das war der Grundtenor einer Podiumsdiskussion zum Thema "Bezahlter Content - Ein Business-Modell mit Zukunft", die gestern im Rahmen des Werbekongresses "Publica 02" stattfand.
Publica 02Basisdienste bleiben gratis
Die kostenpflichtige Printversion im Internet, mit der sich "Der Standard" vor kurzem als erste österreichische Tageszeitung in die Gefilde des kostenpflichtigen Inhaltes vorwagte, sieht Gerlinde Hinterleitner von "derStandard.at" vor allem als "Probegalopp, um eine neue Vertriebsschiene für den Print-Standard zu etablieren".
Dieses Projekt sei unabhängig von "derStandard.at" zu sehen, der weiterhin gratis bleibe. "Unser Ziel ist es, von der Werbung zu leben", so Hinterleitner.
Weitere Einnahmequellen seien Rubrikmärkte und der Content-Verkauf. Bezahlter Inhalt komme für die Site als General-Interest-Medium nicht in Frage. Nur Zusatzleistungen wie das Archiv könne man vergebühren.
Dieser Meinung schloss sich auch der Chefredakteur von "WirtschaftsBlatt Online", Christian Drastil, an: "Der laufend produzierte Inhalt wird frei bleiben." Auch bei seinem Medium gebe es aber Überlegungen, das Archiv und Datenbankfunktionen gegen Bezahlung anzubieten. Man gehe davon aus, sich von der Werbung zu finanzieren - alles darüber hinaus sei die "Butter aufs Brot". Beim von Drastil verantworteten, kostenpflichtigen "Börse Express" sei die Richtung noch nicht klar. Auch hier gebe es seitens der Werbewirtschaft Interesse an der Positionierung als Gratisprodukt.
Spiegel.de mit kostenpflichtigem AngebotAuf jeden Fall kostenpflichtig
"Definitiv" für kostenpflichtige Inhalte plädierte Michael Fried, Geschäftsführer von Jet2Web Internet, wenn es sich um ein "personalisiertes und individuelles" Angebot handelt.
Man dürfe hier keinesfalls nach dem "Gießkannenprinzip" vorgehen, sondern müsse Inhalte mit "neuer Funktionalität" anbieten. Sein "Portal" generiere vor allem Traffic mit dem Content von Partnern.
Ein horizontales Destinations-Portal sei etwas anderes als ein Special-Interest-Portal.
Am deutlichsten für kostenpflichtigen Content machte sich Hans Böck, mit seinem "Portal" zitate.at Vertreter eines typischen Special-Interest-Mediums, stark: "Ein einzigartiges Produkt soll auch bezahlt werden." Die Anbieter sollten sich seiner Meinung nach nicht so sehr an der Marktforschung orientieren: "Wer Mut hat zu sagen, mein Produkt kostet etwas, wird auch Erfolg haben."
Zitate.at wird kostenpflichtigSpezialwissen könnte kosten
Zumindest in den nächsten sechs Monaten kein Geld verlangen will die auf Finanznachrichten spezialisierte Site "Bluebull.com".
Perspektiven für bezahlte Inhalte sieht Bettina Schragl, CEO von Bluebull, in Special-Know-how, die Basisinformationen würden weiterhin gratis bleiben.
Einen "konservativen, vorsichtigen Standpunkt, was Paid Content angeht", bezog auch Doris Raßhofer, Projektleiterin des Branchendienstes "Horizont.at". Für kostenpflichtige Angebote kämen vor allem Datenbank-basierte Dienste wie Termine, Link-Sammlungen und Archive in Frage.
