Legale Musik für Podcasts

25.06.2006

Während die großen Plattenfirmen die Lizenzbedingungen für Musik in Podcasts stetig verschärfen, gehen Indie-Labels einen anderen Weg: Gegen Werbung darf ihre Musik kostenlos genutzt werden.

Podcaster haben es nicht leicht. So stellten die britischen Verwertungsgesellschaften im Frühjahr eine Lizenz zur Nutzung von Musik vor, die sich eher wie ein Verbotskatalog liest: Titel dürfen nicht voll ausgespielt werden, Podcasts dürfen nicht kürzer als 15 Minuten sein.

Wer den gleichen Song zwei Mal spielt, verstößt ebenfalls gegen die Lizenzbedingungen. Verwertungsgesellschaften in anderen europäischen Ländern planen ähnliche Bedingungen für die Nutzung von Musik in Podcasts.

Jeder Titel muss genehmigt werden

Das Regelwerk der Verwertungsgesellschaften ist nicht der einzige Stolperstein für Podcaster. Da ihre Sendungen herunterladbar sind, gelten sie zumindest aus urheberrechtlicher Sicht als Musik-Downloads.

Podcaster müssen sich damit rein theoretisch für jeden gespielten Titel vorab eine Genehmigung der jeweiligen Plattenfirma holen.

Podcasts als Download-Ersatz

Das ist nicht nur sehr aufwendig, sondern auch in vielen Fällen von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Die großen Plattenfirmen haben Angst davor, dass Podcast-Nutzer die Sendungen als Ersatz für kostenpflichtige Musik-Downloads nutzen könnten. Sie weigern sich deshalb bisher standhaft, ihre Musik für Podcasts zu lizenzieren.

Einige Majors haben allerdings damit begonnen, eigene Podcasts anzubieten. So gibt es von Universal Music Deutschland mittlerweile insgesamt sechs Label-eigene Podcasts.

Plattform für Indie-Labels

Indie-Labels gehen unkomplizierter mit dem Thema um. So öffnete in den USA im Frühjahr eine Plattform namens Promonet ihre Pforten, die US-Podcastern 10.000 Indie-Songs zur kostenfreien Nutzung anbietet.

Tim Mitchell vom Promonet-Betreiber IODA erklärt: "Podcaster können sich damit sicher sein, dass die nötigen Rechte geklärt sind."

Musiknutzung gegen Werbung

Ganz uneigennützig ist Promonet allerdings auch nicht. IODA und seine Plattenfirmen versprechen sich davon nicht nur Werbung, sondern auch ganz direkte Einnahmen.

Wer Promonet-Tracks in seinem Podcast nutzt, muss dafür Links zu Download-Shops setzen. "Der Shop ist nur einen Mausklick entfernt“, so Mitchell. "Bisher ist das sehr, sehr effektiv gewesen."

Heute 22:30 Uhr im Ö1-Magazin matrix

Janko Röttgers hat IODA-Vizepräsident Tim Mitchell in Miami getroffen und mit ihm über die Promonet-Plattform seiner Firma gesprochen.