SMS-Wörterbuch wird "entnazifiziert"
Das Wörterbuch-Tool "T9" erleichtert inzwischen in fast 90 Prozent aller Handys die Eingabe von Kurznachrichten, womit die Herstellerfirma Tegic einen der größten Handy-Software-Hits aller Zeiten gelandet haben dürfte.
Das Tool "errät" Wörter während der einfachen Eingabe über die neun Zahlentasten und macht so das lästige zwei- oder dreifache Drücken einzelner Tasten, um an einen bestimmten Buchstaben zu kommen, überflüssig.
Dabei hat T9 aber nicht nur seine Tücken, wenn es bestimmte Wörter eben nicht im Speicher hat, sondern hat auch schon zur Bildung zahlreicher paranoider Theorien darüber geführt, wie die Wörterbücher im Speicher zustande kommen.
Denn während Nutzern immer wieder eigentlich selbstverständliche Wörter auffallen, die T9 nicht in seinen Voreinstellungen gespeichert hat, wird Nazi- oder Drogen-Vokabular oft sogar als wahrscheinlichste Variante präsentiert.
Drogen und Nazis
Neben zahlreichen Drogenbezeichnungen fällt vor allem die Fülle des Nazi-Vokabulars auf, das T9 seinen Nutzern oft auch noch als erste und damit am wahrscheinlichsten gewünschte Variante anbietet.
So wird statt "maxi" zuerst "nazi" angeboten und statt "voll" wird "volk" zuerst vorgeschlagen. Aber auch "Judenfrage", "Zwangsarbeit", "Gaskammer" und "Euthanasie" gehören wie selbstverständlich zum deutschen SMS-Vokabular von T9.
Eine T9-Sprecherin hat jetzt allerdings diese Phänomene gegenüber dem Magagzin "Der Spiegel" hinlänglich logisch erklärt - und gleichzeitig eine "Entnazifierung" des deutschen Wörterbuchs der nächsten T9-Version angekündigt.
T9 schlägt Nutzern immer dann, wenn mehrere Wörter für die eingegeben Tastenkombination in Frage kommen, diese in einer bestimmten Reihenfolge vor. Kennt die Software ein Wort nicht, so kann es nach der klassischen SMS-Eingabemethode eingetippt werden und wird danach im T9-Wörterbuch des Handys abgelegt.
T9Reine Statistik
Laut der T9-Sprecherin werden die Wörterbücher der Software von Linguisten-Teams erarbeitet, die dafür allerdings aufs Internet zurückgreifen:
Zuerst werden für die Sprache repräsentative Sites gesucht und anschließend das dort vorgefundene Vokabular statistisch erfasst.
So wird auch die Reihenfolge der am häufigsten gebrauchten Wörter festgelegt und hier kommt im deutschsprachigen Netz offensichtlich "nazi" einfach öfters vor als "maxi".
In der nächsten T9-Version sollen die Merkwürdigkeiten der letzten Versionen allerdings mit mehr menschlicher Kontrollarbeit verhindert werden.
T9 gibt es inzwischen für 31 Sprachen. Die Software läuft auf mehr als 180 Handy-Modellen fast aller Hersteller.
T9-Sprachen
