02.04.2002

VORREITER

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Der erste Börsengang einer Internet-Firma

Schon lange bevor "Dot.com" überhaupt ein Begriff war, begann Anfang der Neunziger eine Hand voll Internet-Provider ihre Dienste anzubieten.

Ziel war, Geschäfts- und Privatkunden einen möglichst einfachen Weg ins Internet, damals noch ein Medium für wenige Eingeweihte, zu bahnen. Einer der frühen ISPs war Netcom, dessen Name spätestens nach der Übernahme durch Earthlink nur noch entfernt im Datennetz hallt.

Mit dem Netcruiser ins Internet

Kaplan, der davor als Sanierer genügend Erfahrung in puncto Unternehmensführung gesammelt hatte, erkannte das Potenzial des Internets und beschloss, Netcom ganz nach vorne zu bringen. Im Juni 1994 schließlich brachte das Unternehmen eine Zugangssoftware auf den Markt - gemeinsam mit einem der ersten Browser, der "Netcruiser" genannt wurde. Für 19,95 USD konnte man innerhalb von zehn Minuten im Netz surfen.

Die Software war ein großer Erfolg. Nicht nur einmal kam Steve Chase, bereits damals Chef des jungen Providers AOL, bei Netcom vorbei, um Erfahrungen auszutauschen. Im Mai 1995 schließlich bot er an, Netcom zu kaufen. Das Board lehnte ab, und kurz darauf war Netcom an der Börse.

"Damals war ich überzeugt: Früher oder später wird jeder eine E-Mail-Adresse auf seiner Visitkarte haben. Für diese Vision wurde ich belächelt", rekapituliert Kaplan.

Shareholder und die Old Economy

Kaplan, der bereits sechs IPOs hinter sich hat, glaubt an die Werte der Old Economy: "Schulden bestrafen den Shareholder. Nur wenn man seine Schulden jederzeit zahlen kann, lohnt es sich für ein Unternehmen, solche zu machen." Zum Höhepunkt der Dot.com-Blase offerierten Wallstreet-Banker Kaplan die Summe von rund einer Milliarde USD, um von ihm betreuten Unternehmen Raum zur Expansion zu leihen. Er lehnte ab.

Seine klar definierten Visionen stießen nicht immer auf Gegenliebe. Kurz nachdem der Netcom-IPO eingefädelt wurde, verließ Kaplan das Unternehmen. Die neue Führung, ist Kaplan überzeugt, war der Grund dafür, wieso Netcom damals seinen Vorsprung gegenüber AOL nicht weiter ausbauen konnte.