25.03.2002

KINDERSÖLDNER

Bildquelle: FuZo

Von der Kalaschnikow zum Compiler

Ein aus Sierra Leone stammender norwegischer Unternehmer will in seinem Heimatland Kindersöldnern die Chance geben, ihre Waffen gegen Computer einzutauschen.

In speziellen Traniningslagern will Francis Steven George die ehemaligen Rebellen im Umgang mit dem Computer schulen und sie zu Programmierern ausbilden.

Regionale Schnittstelle für die IT-Industrie

Francis Steven George hofft damit, einen Grundstein für ein West-Afrika zu legen, das als regionale Schnittstelle für die IT-Industrie wirkt. Finanzielle Unterstützung erhält er dabei von der norwegischen Regierung und nicht-staatlichen norwegischen Organisationen.

Computer für die Rebellenarmee

Nach offiziellen Schätzungen betrug der Kinderanteil in der 15.000-Mann-starken Rebellenarmee nicht weniger als 50 Prozent.

Laut George sind das 50 Prozent, die nun ohne Arbeit dastehen und sich entweder für den Beitritt in die Armee oder für para-militärische Truppen entscheiden.

Sie im Umgang mit Computern zu schulen hält George, der Geschäftsführer der Internet-Beratungs-Firma "Kizuki" ist, für den einzig logischen Schritt: "Das würde ihnen die besten Einkünfte in einer Wirtschaft sichern, in der Information das höchste Gut ist."

"Wir werden billiger als die Inder"

"Heutzutage gehen alle nach Indien wegen dem Kostenvorteil. Ich glaube dass wir billiger arbeiten können. Alles, was uns fehlt, ist die richtige Ausbildung. Und die will ich fördern."

Francis S. George's Visionen klingen vielversprechend. Angesichts der politischen und der wirtschaftlichen Lage Sierra Leones wird es allerdings schwer werden, mehr als Luftschlösser daraus zu machen.

Seit 1961 schlägt sich das Diamanten-reiche Land mit akkuter politischer Instabilität herum und der langjährige Bürgerkrieg vertrieb fast die Hälfte der 4,5 Millionen Einwohner. Ganz zu schweigen von Internet-Anbindungen: Die gibt es nur in der Hauptstadt Freetown.

"Nichts unter den Teppich kehren"

Dass dies mit Leuten bewerkstelligt werden soll, die sich Mitte der Neunziger mit dem Entführen, Vergewaltigen und Verstümmeln ihrer Landsleute einen Namen gemacht haben, soll nicht zum Stolperstein werden:

"Das ist mir bewusst. Aber am Ende des Tages sind es Bürger Sierra Leones. Wir können das nicht einfach unter den Teppich kehren. Wir müssen lernen, damit umzugehen."