Online-Game als blutige Propaganda
Kolumbiens rechtsgerichtete paramilitärische Truppen tragen ihre Propaganda jetzt auch elektronisch aufgeblasen ins Netz.
Auf ihrer Homepage findet sich seit kurzem ein blutiges Online-Spiel, in dem man im virtuellen Guerilla-Krieg linksgerichtete Rebellen erschiessen soll.
Die Site ist die letzte Marketing-Kampagne der Miliz, den Paramilitärs der Autodefensas Unidas de Colombia ["AUC", "Vereinigten Gruppen zur Selbstverteidigung von Kolumbien"].
Im Spiel schließen sich die Cyber-Gamer virtuell den paramilitärischen Truppen an, verteidigen eine kleine Stadt und töten linksgerichtete Rebellen in einem Konflikt, der im realen Leben schon über 40.000 Todesopfer im letzten Jahrzehnt gefordert hat.
Das SpielSoviele töten, wie möglich
"Die Bevölkerung von Aguas Blancas wird von der Rebellenorganisation FARC [Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - revolutionäre Streitkräfte von Kolumbien] sowie auch der zweiten Guerilla-Organisation ELN [Ejército de Liberación Nacional - Nationales Befreiungsheer] angegriffen", heißt auf der Site.
"Ihre Aufgabe ist es zu verhindern, dass das Hauptquartier der Polizei zerstört wird, indem sie soviele dieser herzlosen Delinquenten wie möglich töten."
Die Spieler sollen mit Sturmgewehren auf die Guerilla-Kämpfer zielen. Die Rebellen erwidern das Feuer aus Eingängen und von den Dächern und werfen Bomben auf das Büro das Bürgermeisters.
Das Blut spritzt dabei ziemlich heftig, getroffenene Rebellen fallen zu Boden und verschwinden dann.
Um das Level zu erschweren, müssen die Spieler zusätzlich Erste-Hilfe-Pakete und "paramilitärische Schilder", die 75 Prozent der Stärke der Geschoße abfangen, sammeln.
Unterstützung im Kampf für ein freies Kolumbien
Das Spiel endet, wenn man von zu vielen Rebellen getroffen wurde. Am Ende wird einem mitgeteilt wieviele Guerilla-Kämpfer man "erledigen" konnte und die Paramilitärs bedanken sich "für die Unterstützung im Kampf für ein freies Kolumbien".
FARC und ELN
Das Online-Spiel ist nicht die einzige Anti-Rebellen-Propaganda auf der Seite der "Bloque Elmer Cardenas".
In einer Cartoon-ähnlichen Animation macht sich die Gruppierung über die Rebellen in "FARC Man and Elena", einer Geschichte über erfundene "Helden", die die Kolumbianer terrorisieren, lustig.
Der Mann der FARC verkörpert, hat einen dicken Bauch, ein Gewehr als Nase und trägt ein Schweisstuch, das Markenzeichen von FARC-Chef Manuel Marulanda, der stets ein Handtuch um den Hals trägt.
Die Freundin des FARC Mannes, Elena, ist die Personifikation der ELN. Sie hat einen Totenkopf mit blonden Haaren als Kopf und trägt ein winziges Kleidchen, das sie gerade mal notdürftig bedeckt.
"Ein neuer Held entsteht.... der sein ganzes Leben der Zerstörung von Strommasten und der Sprengung von Öl-Pipelines widmet, um die Umwelt zu schützen und der die Leute für wenig Geld entführt", wird in dem Cartoon erzählt. "Willkommen bei den Abenteuern vom FARC Mann und Elena. Coming soon: Sie werden dein Herz rauben. Sie werden deine Hoffnung zerstören. Und sie werden alles Geld aus deiner Familie rauspressen." Mit Salsa Musik untermalt machen der FARC Mann und Elena am Ende eine kleine Stadt mit Bomben dem Erdboden gleich.
FARC
