EU für billigere Telefon-Gebühren
Die von der Europäischen Kommission geforderte Preissenkung bei Gesprächen vom Festnetz in Mobilfunknetze und eine drohende Preisregulierung der Märkte sind in Deutschland auf breite Ablehnung gestoßen.
Beim deutschen Wirtschaftsministerium, mehreren Telekom-Firmen und in Kreisen der Bonner Regulierungsbehörde wurde heute der Vorstoß der Brüsseler Wettbewerbsbehörde zurückgewiesen.
"Ich habe kein Verständnis"
Der deutsche Wirtschaftsminister Werner Müller [parteilos]
erklärte, der Mobilfunkmarkt habe in Deutschland großes Potenzial
und sollte nicht durch eine langfristig ungünstige Politik
beeinträchtigt werden. Überzogene Eingriffe seien nicht
erforderlich. "Ich habe deshalb kein Verständnis, wenn die
Kommission nun den Mobilfunkmarkt stark verunsichert", sagte der
Minister.
Werner Müller"In Brüssel telefoniert jeder mit dem Handy"
Auch in Kreisen der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post wurde die bereits seit längerem geäußerte Kritik an einer europaweiten Regulierung der Mobilfunkmärkte bekräftigt: Eine Regulierung sei nicht notwendig.
"In Brüssel telefoniert halt jeder mit dem Handy und ärgert sich über die Höhe seiner Mobilfunkrechnung", hieß es.
"Es gibt ausreichend Wettbewerb"
Beim deutschen Mobilfunkmarktführer T-Mobile hieß es, die Vorschläge aus der EU-Kommission seien nicht praxisnah und verringerten den Wettbewerb, wenn etwa eine Firma wegen künftig geringerer Einnahmen aus dem Markt verschwinde. Der drittgrößte Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland, E-Plus, teilte mit, es gebe ausreichend Wettbewerb auf dem Markt. Die Vorstellungen Montis gefährdeten die finanzielle Stabilität der Branche und belasteten damit die Unternehmen.
Preisregulierung bei Mobilfunk
Das "Handelsblatt" hatte berichtet, der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti strebe eine EU-weite Regulierung der bislang zumeist nicht reglementierten Mobilfunkmärkte an.
Dazu sollen Mobilfunknetze einzelner Anbieter zu Einzelmärkten deklariert werden und nicht länger die nationalen Märkte mit allen Netzen als Gesamtheit betrachtet werden.
Durch diese enge Auslegung des Wettbewerbsrechts würden zahlreiche Mobilfunkanbieter zu marktbeherrschenden Firmen, deren Preise und Dienstleistungen dann der Preisregulierung unterlägen und damit nicht weiter frei gestaltbar wären.
EU-Kommission ermittelt wegen Preisabsprachen
Die EU-Wettbewerbskommission will seit längerem gegen die ihrer
Meinung nach zu hohen Preise auf den Mobilfunkmärkten vorgehen. Die
EU-Wettbewerbsbehörde hat im Juli 2001 wegen des Verdachts auf
Preisabsprachen beim Roaming in Deutschland und Großbritannien
zeitgleich neun Mobilfunkfirmen - also alle Anbieter - durchsucht.
EU lässt neun Telekoms durchsuchenÜberhöhte Gebühren?
Die von den Mobilfunkfirmen in Rechnung gestellten Gebühren bei aus dem Festnetz ankommenden Gesprächen belaufen sich den Angaben zufolge in Deutschland auf durchschnittlich 17 Cents. Die Festnetzanbieter kassieren weitere zehn Cents von ihren Kunden für jede Verbindungsminute in ein Mobilfunknetz.
In der Mobilfunkbranche heißt es mit Blick auf die Festnetzanbieter deshalb: "Monti prügelt auf die Falschen ein." Inlandsgespräche vom Festnetz zu anderen Festnetzanschlüssen kosten nur einen Bruchteil der Verbindungspreise in Mobilfunknetze.
Zudem finde etwa in Großbritannien eine Preisregulierung des Mobilfunkmarktes statt, dennoch lägen die Preise über dem Niveau des deutschen Marktes, heißt es in der Branche weiter.
In süd- und nordeuropäischen Staaten verlangten Mobilfunkfirmen für Festnetzgespräche in Mobilfunknetze bis zu 35 Cents.
