Das Netz als Kaufhaus und Polizeistaat
Scharfe Kritik hat der deutsche Vertreter der Internet-Nutzer, Andy Müller-Maguhn, an der US-Regierung geübt.
Sie beabsichtige mit einer Neubesetzung der Interessenvertretung der weltweiten Internet-Nutzer, ICANN, das weltweite Datennetz zu kontrollieren, sagte er in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".
Online-Shopping im Polizeistaat
"Ihre Versuche, mit Hilfe von ICANN das Internet einerseits in
eine Shopping-Mall, anderseits in einen Polizeistaat zu verwandeln,
sind offensichtlich", sagte Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club.
Netzverwaltung ganz ohne DemokratieRegierungsvertreter im ICANN-Vorstand
Anlass für die Kritik ist das Vorhaben des ICANN-Geschäftsführers Stuart Lynn, fünf frei gewählte Vertreter der weltweiten Internet-Gemeinde durch Regierungsvertreter im ICANN-Vorstand zu ersetzen.
"Der Plan wurde nicht einmal mit dem Vorstand abgesprochen und trägt insofern Züge eine Staatsstreichs", so Müller-Maguhn.
Auch Müller-Maguhn wäre als einer der freien Vertreter von den Plänen betroffen. Seine Amtszeit läuft im November 2002 aus.
Vergabe und Verwaltung der Internet-Adressen
Die ICANN [Internet Association for Assigned Names and Numbers]
ist unter anderem zuständig für die Vergabe und die Verwaltung der
Internet-Adressen. Das US-Unternehmen zielt nicht auf Gewinne ab. Es
kümmert sich auch um Details des Internet-Protokolls, das die
Verständigung zwischen den Computern regelt.
ICANN diskutiert Internet-Sicherheit
