Webcams für japanische Kindergärten
Öffentliche Kindergärten in Tokio haben seit jeher Besuchstage angeboten, um Eltern die Gewissheit zu geben, dass ihre Sprösslinge ordentlich behandelt werden.
Nun gehen immer mehr Kindergärten dazu über, Eltern Überwachungsmöglichkeiten per Webcam anzubieten. Kinder und Betreuer bleiben ständig im Visier, und Mütter und Väter können die Bilder jederzeit im Internet abrufen.
Das zuständige Ministerium investierte mehr als zwei Millionen Yen [17.300 Euro] in Kameras und Übertragungstechnik. Im November vergangenen Jahres ging eine Tagesstätte im Herzen der japanischen Hauptstadt online.
1.000 Yen für Peepcam
Eltern zahlen monatlich 1.000 Yen [8,7 Euro], um sich auf dem Computerbildschirm oder dem Display ihres Handys vom Wohlergehen ihres Nachwuchs überzeugen zu können.
Angst vor Misshandlungen
Die Online-Überwachung scheint auf Begeisterung zu stoßen. "Wenn man einmal angefangen hat, fällt es schwer, darauf zu verzichten", meint etwa Yuko Nagano. Auch wenn sie nicht misstrauisch gegenüber den Kindergärtnern sei, sei sie doch beruhigt darüber, nachsehen zu können, dass die Kinder nicht misshandelt würden, beteuert sie.
Diese Sorge beschäftigt viele Eltern, seit im Jahr 2000 eine Reihe von Misshandlungen in einer Kinderkrippe für Schlagzeilen sorgte.
Einige Pädagogen allerdings zweifeln an dem digitalen Überwachungssystem. "Die Kindergärtner sind unter ständiger Kontrolle durch die Eltern. Ich frage mich, wie ein Betreuer da in der Lage sein soll, ein Kind zu schimpfen, wenn es einmal notwendig sein sollte", meint Kazuko Imai, Professorin für Pädagogik am Tokio Seitoku College.
Webcam kein Beobachtungsersatz
Imai gibt außerdem zu bedenken, dass Eltern leicht falsche Schlüsse aus dem ziehen, was sie beobachten. "Wenn ein Kind alleine spielt, heißt das nicht, dass es von den Erziehern vernachlässigt wird. Augenkontakt oder andere Gesten werden von der Kamera ja nicht zuverlässig eingefangen."
