Bildquelle: Accenture

Computersystem als "Life-Coach"

10.06.2006

Ein neues Überwachungssystem soll Menschen zu einem gesünderen Lebensstil motivieren. Kameras in der eigenen Wohnung zählen geleistete Sportübungen genauso wie jeden Gang zum Kühlschrank. Ein Spiegel zeigt schließlich an Hand der ermittelten Daten gnadenlos die körperliche Zukunft an.

Schlechte Nachrichten für heimliche Kühlschrankbesucher: Ein neues Überwachungssystem der Accenture Technology Labs in Sophia Antipolis [Südfrankreich] analysiert den Lebensstil und prognostiziert die Folgen schlechter und guter Gewohnheiten mittels eines "digitalen Spiegels", der das künftige Aussehen von Menschen konkret visualisiert.

Der Spiegel bezieht seine Daten über Webcams und Sensoren, die überall im Haus platziert werden.

Das Beobachtungssystem dokumentiert dabei Alltagsaktivitäten wie beispielsweise den Gang zum Kühlschrank, die Benutzung des Heimtrainers und die Verweildauer auf dem Sofa.

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

An Hand dieser Daten, die durch manuell eingegebene Informationen ergänzt werden können, errechnet eine Spezial-Software, wie der Mensch in wenigen Jahren auszusehen droht - oder verspricht -, wenn er seine Lebensgewohnheiten beibehält.

"Wir versuchen Computer und Maschinen zu entwickeln, die als Motivations- und Überzeugungsquelle fungieren können", erläutert Ana Andres del Valle, Forscherin bei Accenture. "Ein Spiegel schien uns die beste Grundlage zu sein, da die Menschen auf visuelle Reize sehr stark reagieren."

Zukunftsprognose als Abschreckung

Wer also den ganzen Tag genascht hat, kann auf dem Spiegel per Knopfdruck abrufen, wie er in der Zukunft aussieht, wenn er so weitermacht.

Medizinische Betreuung

Das System soll etwa bei der medizinischen Betreuung von hochgradig übergewichtigen oder drogenabhängigen Patienten eingesetzt werden.

Alkohol- und Tabakkonsum

Darüber hinaus verarbeitet das System eine Reihe von weiteren gesundheitsrelevanten Informationen: So zeigt es etwa die Folgen zu langer Sonnenbäder oder berechnet aus den Daten eines Schrittzählers, wie sich Spaziergänge oder Joggen auf die körperliche Fitness auswirkt.

In Zukunft sollen sich auch die Konsequenzen von Alkoholmissbrauch, Rauchen und Drogenkonsum drastisch veranschaulichen lassen.

Individuelle Unterschiede

Doch noch sind weitere Verbesserungen nötig. "Es muss noch feiner auf den einzelnen Nutzer reagiert werden", so Andres del Valle. "Denn zwei Menschen, die das Gleiche essen, werden nicht unbedingt beide dick."

Zu diesem Zweck hat Accenture eine Zusammenarbeit mit der Universität von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien aufgenommen.

(AFP)