Liberty auf Zickzackkurs
Der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media hält ungeachtet der gescheiterten Übernahme der TV- Kabelgesellschaften von der Deutschen Telekom an einem Engagement in Deutschland fest. "Wir werden Deutschland sicherlich nicht den Rücken kehren", sagte Liberty-Managerin Miranda Curtis dem Nachrichtenmagazin "Focus".
In dem Gespräch kritisierte Curtis das Klima in Deutschland gegenüber ausländischen Investoren. "Wir waren schon überrascht, dass unser Geschäftsmodell, das in eigentlich allen anderen Ländern voll akzeptiert wird, so negativ aufgenommen wurde."
Fernsehsender gegen Liberty
Besonders die deutschen Fernsehsender hätten sich vehement gegen
Liberty ausgesprochen. In anderen Ländern sei man "meist
hocherfreut, wenn sich neue Vertriebswege öffnen", sagte Curtis.
Liberty MediaWarten auf bessere Zeiten
Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" [Montag-Ausgabe] erteilte Curtis allerdings Spekulationen eine Absage, Liberty werde bereits kurzfristig versuchen, durch die Übernahme kleinerer Anbieter auf den deutschen Kabelmarkt einzusteigen.
"Wir werden in Deutschland erst dann investieren, wenn das Klima und das regulatorische Umfeld stimmen", zitiert die Zeitung die Liberty-Managerin.
Das Bundeskartellamt hatte das Verbot des Verkaufs der Telekom-Kabelnetze an Liberty Media vom vergangenen Montag mit drohenden Nachteilen für die Verbraucher begründet. Liberty wollte der Telekom für 5,5 Milliarden Euro ihre sechs verbleibenden Kabelnetze mit über zehn Millionen Kunden abkaufen. Damit hätte Liberty 60 Prozent des deutschen Kabelmarktes kontrolliert.
Interesse an Kirch-Gruppe
Eine Beteiligung Libertys an dem angeschlagenen Münchner Medienkonzern Kirch schloss Curtis gegenüber der "FAZ" nicht aus. Doch habe dieses Thema für ihr Unternehmen zurzeit "keine Priorität".
Britische Investoren statt Liberty
Nach dem gescheiterten Verkauf der Telekom-Kabelnetze an Liberty Media will die britische Investorengruppe Compere eine Offerte für die milliardenschweren TV-Anschlüsse vorlegen.
"Wir bereiten ein formales Gebot für das deutsche Kabelnetz vor", sagte der geschäftsführende Partner von Compere, Tom Crema, der "FAZ".
Auch die Londoner Klesch & Co., die bereits Teile des hessischen Kabelnetzes besitzt, zeigte sich demnach nicht abgeneigt.
Es werde geprüft, ob es sinnvoll für Klesch sei, weitere Teile des deutschen Kabels zu übernehmen, sagte Firmenschef Gary Klesch dem Blatt zufolge.
