03.03.2002

CROSSCHECK

Börsenaufsicht prüft Infineon

Der Münchener Halbleiterkonzern Infineon wird derzeit zweifach vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel unter die Lupe genommen.

Zum einen prüft die Wertpapieraufsicht, ob Infineon im Juni 2001 eine Verlustwarnung zu spät veröffentlicht hat, wie eine Sprecherin des BAWe gestern bestätigte. Nach der Mitteilung war der Kurs der Infineon-Aktie um 16 Prozent eingebrochen. Zum anderen ermittelt die Aufsichtsbehörde, ob Unternehmens-Insider am Tag zuvor Vorteile aus ihrem Wissen gezogen haben. Das Papier hatte damals gegen den Markttrend um 5 Prozent nachgegeben.

Prüfung auf Insiderhandel

Infineon hatte am 20. Juni erklärt, im Geschäftsjahr 2000/01 [zum 30. September] 600 Mio. Euro Verlust vor Steuern und Zinsen zu erwarten. Vier Wochen zuvor hatte Vorstandschef Ulrich Schumacher auf einer Investorenkonferenz in Barcelona zum ersten Mal eingeräumt, dass im dritten Quartal wahrscheinlich ein Verlust ausgewiesen würde. Wegen des Insiderverdachts habe das Unternehmen selbst Nachforschungen bei Mitarbeitern angestellt, sagte die Sprecherin. "Dabei haben sich keinerlei Erkenntnisse über Verstöße gegen das Insiderhandelsrecht ergeben."

Das BAWe prüft außerdem, ob Infineon nicht schon im Mai die Ad-hoc-Warnung hätte veröffentlichen müssen. Diesen Vorwurf wies die Sprecherin zurück: Damals hätten die internen Prognosen noch im Rahmen der Analystenschätzungen gelegen.