Mobilfunker wollen von EU mehr Zeit

Roaming
08.06.2006

Nach der freiwilligen Senkung ihrer Roaming-Tarife fordern die europäischen Mobilfunk-Konzerne mehr Zeit von der EU-Kommission.

Die Geschäftsführer führender europäischer Mobilfunk-Konzerne haben sich nach einem Treffen mit der zuständigen EU-Kommissarin Viviane Reding erneut gegen die von der EU-Kommission beabsichtigte Senkung der Roaming-Gebühren per Verordnung ausgesprochen.

"Wir haben nicht den Eindruck, dass die Kommission irgendeine Folgenabschätzung unternommen hat. Das gab es bisher noch nie in der Geschichte der EU", so Michael Bartholomew, Direktor des Verbandes European Telecommunication Network Operators [ETNO].

TA-Chef Nemsic "sehr enttäuscht"

Reding solle zuerst die Vorschläge der Mobilfunker studieren, anstatt vorzupreschen, meinte der ETNO-Chef.

Der neue Telekom Austria-Chef Boris Nemsic zeigte sich "sehr enttäuscht" von den Gesprächen mit Reding.

Bartholomew verwies auf die jüngste Initiative der führenden Handybetreiber aus Deutschland, Frankreich, Italien und Skandinavien. Demnach sollen die Auslandshandytarife für den Kunden innerhalb Europas um bis zu 50 Prozent gesenkt werden.

Kein Verständnis für Branche

Die Telekom-Anbieter vermissten bei der Kommission ein grundlegendes Verständnis für die Erfordernisse der Branche. Die Frage der Roaming-Gebühren sei viel wichtiger als die Gesprächsgebühr pro Minute.

Die von den sechs Handybetreibern gewählte freiwillige Initiative sei auf die Telekom Austria [TA] allerdings "nicht applizierbar", so Nemsic.

Gefahr für Inlandspreise?

Die EU-Kommission sollte einen Vorschlag machen, wonach der Kunde selbst die Möglichkeit habe, einen Roaming-Tarif zu wählen, aber die Frage nicht nach dem Prinzip "eine Lösung für alle" regeln.

Österreich wäre durch die Roaming-Pläne der EU-Kommission wegen des starken Tourismus besonders betroffen, so Nemsic. "Wir haben die niedrigsten Inlandstarife. Das alles wird dadurch gefährdet."

(APA)