Geschlossene Bücher lesen
Forscher der Universität Leeds könnten in Zukunft Bücher lesen, ohne diese vorher zu öffnen.
Ihr Vorhaben soll durch die Terahertz-Technologie [terahertz imaging] realisiert werden, die laut den Forschern empfindlich genug ist, eine chemische Darstellung von ausgewählten Objekten zu untersuchen und somit einen Text zu "sehen".
Bisher wurde die Technologie vorwiegend in der Medizin eingesetzt, da das elektromagnetische Spektrum im Gegensatz zu Röntgenstrahlen für Patienten und Ärzte unschädlich ist.
Terahertz-Wellen nutzen einen anderen Bereich des elektromagnetischen Spektrums als herkömmliche Röntgenstrahlen.
Viele verschiedene Anwendungsfelder
Terahertz-Wellen lassen Moleküle vibrieren, die Frequenz der
Schwingung gibt Auskunft über die anwesenden Substanzen [in diesem
Fall Tinte] beziehungsweise ob chemische Reaktionen stattfinden.
"Dadurch erhöhen sich die Anwendungsfelder der Technologie",
erklärte Robert Miles, Wissenschaftler an der Uni Leeds.
Uni LeedsUntersuchungen von Gemälden
Neben der Textanalyse historischer Dokumente arbeiten die Forscher mit dem York Archaeological Trust zusammen.
Das Team der Uni Leeds schießt Bilder von Gemälden und Keramiken und will mit Hilfe der Terahertz-Technologie ermitteln, was sich unterhalb des Außenanstrichs beziehungsweise der Glasur befindet.
So wollen sie feststellen, welche Substanzen verwendet wurden, und Informationen über die Herstellung des Kunstwerks und die Techniken des Künstlers erhalten.
Terahertz-Elektronik an der TU WienEinsatz in der Lebensmittelindustrie
Miles kann sich auch vorstellen, dass die Technologie in der Lebensmittelindustrie Einsatz findet. Sie könnte für Analysen herangezogen werden, die den durch Chemikalien bedingten Verschleiß industriell genutzter Cellulosefasern messen.
Derzeit nutzt die Industrie dafür Elektronenmikroskope. Dafür müssen Produkte aber im Vakuum aufbewahrt werden, was Untersuchungen schwierig macht.
Die Terahertz-Technologie sei praktischer, besonders dann, wenn die Entwicklung tragbar wird.
