Klage, Kulanz und Hyperlinks
Das in Deutschland längst grassierende Abmahnwesen hat nun auch im österreichischen Teil des Internets Einzug gehalten.
Bei zahlreichen Betreibern von Websites, namentlich Vereinen und kleinen Firmen, gingen dieser Tage Schreiben der oberösterreichischen Firma Meteodata ein.
Der Inhalt war jeweils eine "Rechtsbelehrung" zum Thema Hyperlinks gepaart mit einer Rechnung "für die unerlaubt genützten Leistungen" der Firma Meteodata.
Die beigelegten Rechnungen beliefen sich auf Summen zwischen 1.000 und 10.000 Euro, gestaffelt offenbar nach Dauer der Verlinkung und "Qualität" des Hyperlinks.
Verlinkung erfordert Einverständnis
Auch Links zur Meteodata-Homepage unterliegen laut AGB der
Betreiber einer Genehmigungspflicht: "Bei einer gewünschten
Verlinkung zur METEO-data-Homepage ist vorher das Einverständnis der
METEO-data GmbH einzuholen." Für Links in exakt dieser Qualität wie
dieser direkte Link auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der
Meteodata wurden Summen über 1.000 Euro gefordert.
AGB der MeteodataGewöhnliche Links
Eingefordert wurden die genannten Summen nicht nur für so genannte "In-frame-Links", die nach einem OGH Entscheid ohne Einwilligung des Content-Eigentümers nicht statthaft sind.
Auch für gewöhnliche Links in ein neues Fenster, das nicht nur den Meteodata-URL zeigt, sondern auch den Inhalt als zur Meteodata-Hompage gehörig ausweist, wird Geld verlangt.
"Die Zeiten sind vorbei, in denen einfach hin und her gelinkt wurde, wie man will", sagte Rene Hellwig, Marketingchef von Meteodata, zur fuZo. Wer den Content via Link benütze, müsse dafür auch bezahlen, und deshalb habe man den gewöhnlichen Preis verrechnet, wie ihn auch Großkunden bezahlen.
Für nicht angemeldete Links in den Frame der Website würden schließlich Transferkosten fällig, die man nicht selber tragen wolle.
"Überzogen"
Der Internet-Ombudsmann, an den sich zahlreiche Betroffene
gewendet haben, ist um eine außergerichtliche Einigung bemüht. Eine
Lösung auf dem Kulanzweg sei bisher an "überzogenenen
Schadenersatzforderungen" von Meteodata gescheitert.
Die Diskussion darüber in den Foren der WirtschaftskammerMusterprozess gegen Kulanzlösung
Während Meteodata betont, dass es bereits zu Kulanzlösungen gekommen sei [es seien sogar neue Kunden gewonnen worden], teilt die zuständige Abteilung der Wirtschaftskammer mit, dass man es dabei nicht belassen werde.
Ein derart kulant behandelter Kunde sei bereit, mit Unterstützung der WKO einen Musterprozess zu führen.
Obacht, nicht tippen
Noch mehr "verbotene" Links in Textform: Die "Linksetzer" warnen
ausdrücklich davor, diese Links ohne Genehemigung der Meteodata
einzutippen.
Rechtspolitische Überlegungen
