23.02.2002

LINUX

Bildquelle: FuZo

Der "absturzsichere" Bundestag

Der Streit um die künftige Computerausstattung des deutschen Bundestages geht weiter.

Seit mehreren Monaten läuft im Parlament eine interne Debatte, ob künftig Rechner mit dem neuen Windows XP angeschaffen oder ob das offene Linux-System eingesetzt werden soll.

Der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss ist die Speerspitze der Linux-Verteidiger. Schon wird ihm nachgesagt, er wolle aus dem Bundestag eine "Microsoft-freie Zone" machen. Doch Tauss hält die Alternative schlichtweg für sparsamer und effizienter. Das kostenlose Stück Software kann einfach aus dem Netz heruntergeladen werden.

Bundestag braucht Speicherplatz

"Die Programme brauchen weniger Speicherplatz", betont SPD-Mann Uwe Küster, Mitglied im Ältestenrat. Gerade im Bundestagsalltag sei das wichtig.

"Die SPD-Bundestagsfraktion setzt bereits seit 1995 Open-Source-Software erfolgreich zusammen mit Microsoft-Produkten ein", sagt Küster.

Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, ist vor allem von der basisdemokratischen Idee von Open-Source-Systemen wie Linux fasziniert. Jeder Anwender kann kann Verbesserungsvorschläge machen.

Positives Beispiel oder Parteilichkeit?

Tauss sieht darin eine PR-Kampagne, mit der den Linux-Befürwortern der Wind aus den segeln genommen werden soll. Kurt Sibold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Microsoft GmbH, appellierte in einem offenen Brief an einige Parlamentarier, sich nicht von der Linux-Lobby blenden zu lassen.

Eine Entscheidung für Linux im Bundestag könnte eine symbolische Wirkung haben: Die Förderung von kleinen und mittleren Software-Herstellern und die Zerschlagung des Microsoft-Monopols.

Gerade das wollen viele Abgeordnete erreichen. Der Bundestag müsse ein positives Beispiel abgeben, meint Bettin. Andere Abgeordnete fürchten jedoch den Vorwurf der Parteilichkeit.