Virtuelle Kunst wird objektbasiert
Steve Sacks, Gründer der weltweit ersten Galerie für digitale Kunst "Bitforms" in New York, verfolgt die Strategie, virtuelle Kunst objektbasiert zu machen. Er hofft, dass Software-Kunst solcherart leichter ihren Weg in die Wohnzimmer und Büros von Kunstsammlern finden wird.
Im Hauptraum der Galerie befindet sich derzeit eine etwa zwei Meter mal zwei Meter große Skulptur aus hellgrau lackiertem Schiffsbauholz. Darin hat die amerikanische Konzeptkünstlerin Kelly Heaton die Augen und Münder von 400 "Furbies" eingelassen.
Die "intelligenten Kuschelmonster" sind mit einem Infrarotsensor versehen. Stellt man sich vor die Skulptur, beginnen die Furbies mit den Augenlidern zu klappern und wild vor sich hinzuplappern - aber jeweils nur in dem Bereich, der durch die Körperform des davorstehenden Betrachters abgedeckt wird. Tritt man zurück oder neben die Installation, stoppen die Motoren der Furbies und die Geräusche.
Furbies - das sind jene elektronischen Kuschelmonster, die Ende der 90er Jahre die Kinderzimmer im Sturm eroberten. Das bahnbrechend Neue an den Furbies waren computergesteuerte Sensoren, die es den Spielzeug-Lebewesen ermöglichten, mit ihrer Umgebung zu interagieren: Furbies beginnen vergnügt zu kichern, wenn man sie kitzelt, sie niesen, wenn sie erkältet sind und sie sind in der Lage, einzelne Worte wiederzugeben, die man ihnen beibringt.
Kelly Heatons Furby-InstallationKelly Heaton im Interview
Die Ausstellung "Reflection Loop" ist eine ironisch-nachdenkliche Arbeit über unser technologisch vermitteltes Selbstbild und die Sterblichkeit von maschinellem Leben.
Die Furbies besitzen nur eine begrenzte Lebensdauer. Nach mehreren Wochen Dauerbetrieb geben immer mehr von ihnen den Geist auf. Schon bald wird Kelly Heatons Furby-Installation für immer verstummen.
Für Heaton sind Furbies vor allem ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie maschinelle Intelligenz in Form von Massenprodukten Eingang in unser Alltagsleben findet:
"Ich hätte das Experiment genauso gut auch mit Handys oder PDAs machen können. Ich habe mich für Furby entschieden, weil Furby zu der Zeit als ich mit der Vorbereitung meiner Installation begonnnen habe, die Ikone einer maschinellen Intelligenz als Massenprodukt war.
Als Furby zum Preis von nur 30 USD auf den Markt kam, konnten es die Leuten kaum glauben. Diese komplizierte, animatronische und interaktive Denkmaschine für das bisschen Geld!"
Für Interessierte und New York-Reisende: Die Galerie "Bitforms" befindet sich im ersten Stock des Gebäudes 529 West 20th Street. Man kann die Galerie aber auch im Internet besuchen.
Bitforms
