Handydiebstahl als Volkssport
In England wurden 2005 über 2,6 Millionen Handydiebstähle mit einer Schadenssumme von 574 Millionen Euro gemeldet. Jedem fünften Deutschen zwischen 14 und 29 wurde bereits ein Mal ein Handy gestohlen. Für Österreich wird ein Ansteigen auf über 30.000 Diebstahlsfälle pro Jahr erwartet.
In Großbritannien sind Diebstahl und Raub von Mobiltelefonen zu einem regelrechten Massenphänomen geworden. Wie die britische Versicherung Halifax Home Insurance in dieser Woche bekannt gab, waren 2005 Handys im Wert von umgerechnet 574 Millionen Euro als gestohlen gemeldet worden.
Alle zwölf Sekunden würde ein Handy entwendet, hieß es von der Versicherung, umgerechnet kommt so die Zahl von 2.628.000 gestohlenen Mobiltelefonen heraus.
Kleinere Städte voran
Geklaut wird überall im Land, aber London ist dabei nicht voran, sondern das im Nordwesten gelegene Lancaster [135.00 Einwohner], darauf folgt mit Wirral und Chester rund um Liverpool ebenso nicht gerade zentral-urbanes Gebiet.
Doch auch in London haben die Diebstähle zugenommen, vor allem was die Frechheit, mit der sie durchgeführt werden, betrifft. Die Polizei im Londoner Nobelstadtteil Bloomsbury weist auf die im Frühjahr 2006 stark gestiegenen Zahlen von Diebstählen nach immer derselben Masche hin.
Überfälle rund um die U-Bahn
Personen, die auf der Straße SMS schreiben oder telefonieren, nähert sich ein Zweirad mit hoher Geschwindigkeit und entschwindet mit dem Mobiltelefon.
Bevorzugt spielen sich die Überfälle mittlerweile in den am besten überwachten Orten Londons ab, nämlich in der U-Bahn und außerhalb der Stationen. Da es in den weitaus meisten Teilen der Londoner Underground keinen Funkempgfang gibt, telefonieren viele Passagiere direkt nach dem Aussteigen rund um die U-Bahnstationen.
Nicht unüberwacht telefonieren
Die Polizei rät den Londonern, am besten direkt vor einer der zahllosen Überwachungskameras zu telefonieren. Die allgegenwärtigen Kameras haben bis jetzt kaum einen Beitrag zur Aufklärung geleistet.
Zum einen sind die Täter fast immer maskiert, zum anderen spielen sich die Überfälle so schnell ab, dass die Beamten hinter den Monitoren nicht schnell genug auf die Täter zoomen können.
Wo gestohlen wird
Während auch der Anteil von brutalen Raubüberfällen steigt, werden die meisten Handys in Garderoben aller Art, in Pubs und Restaurants gestohlen.
Während etwa zwei Drittel aller Täter die gestohlenen Mobiltelefone verkaufen oder mit einer neuen SIM-Card selbst verwenden, besteht das restliche Drittel aus Gelegenheitsdieben, die telefonieren, bis die SIM-Card gesperrt ist.
Diebstähle in Österreich
Aus Österreich liegen für 2005 noch keine Zahlen des Inneministeriums vor, 2004 wurden in fast 29.000 Fällen Anzeigen wegen Handydiebstahls eingebracht. Sollte es wieder ähnlich hohe Steigerungsrate wie davor geben, werden es 2005 deutlich über 30.000 Fälle sein.
Ein Viertel aller Handys wurde 2004 in Gaststätten gestohlen. Ebenso wie in England weist die Minderheit der Fälle, in denen Raub im Spiel war, starke Zuwachsraten auf, 2004 waren es über 600 Raubüberfälle in Österreich, die vor allem auf das Handy abzielten.
In Deutschland
In Deutschland wurde fast jedem Fünften [18 Prozent] zwischen 14 und 29 Jahren schon einmal das Handy gestohlen, wie eine EMNID-Umfrage unter 1.000 Teilnehmern ergab. Insgesamt wurde 7,3 Prozent der 82 Millionen deutschen Bundesbürger bereits einmal ihr Mobiltelefon gestohlen.
Was tun bei Diebstahl
Bei Diebstahl des Mobiltelefons sollte sofort die Sperrung der SIM-Karte beim Netzbetreiber erfolgen. Hier und bei der polizeilichen Anzeige ist es auch gut, den 15-stelligen IMEI-Code, eine nur ein Mal existierende Seriennummer des Handys, parat zu haben [am Akku oder mit Eingabe von *#06# abrufbar].
Was die Fahndung mit der IMEI-Nummer nach gestohlenen Handys tatsächlich bringt, ist allerdings fraglich. Voraussetzung dafür wäre nämlich eine weit über die EU-Grenzen reichende, zentrale Datenbank mit den IMEIs der gestohlenen Handys, die laufend mit allen Mobilnetzbetreibern abgeglichen wird.
(futurezone | telecoms.com | dpa | daily mail et al.)
