Game-Charaktere entwickeln Eigenleben
In den Computerspielen der Zukunft könnten Charaktere mit annähernd menschlicher Intelligenz fähig sein, Anweisungen zu verstehen und selbstständig zu reagieren.
Wissenschaftler des King's College in London arbeiten daran, Computern das Verstehen, Sprechen, Lernen und vielleicht sogar eigenständiges Denken zu ermöglichen.
King's CollegeSprache verstehen können
Sie entwickelten eine Technologie, die so genannte "Language Acquisition Device" [LAD], welche die Funktionen der Stirnhirnlappen nachahmt, wo beim Menschen das Sprach- und Emotionszentrum sitzt.
"Was wir versuchen zu tun, ist, Charaktere zu erzeugen, welche die Sprache nicht nur verstehen können, sondern wissen, was damit gemeint ist, und auch selbstständig antworten können", meint Professor John Taylor von Lobal Technologies.
Lobal TechnologiesEthische Bedenken intelligenter Game-Charaktere
Taylor sieht Anwendungsmöglichkeiten der Technologie bei Lernschwächen, auf dem Gebiet der Haustechnik, der Datenwiederfindung und beim Spielen.
Eine unmittelbare Anwendungsmöglichkeit sehen die Wissenschaftler im interaktiven Entertainment-Sektor, etwa bei Computerspielen.
"Man stelle sich vor, man hat eine Gruppe von Soldaten unter seinem Kommando und stellt diesen Aufgaben", erklärt Taylor. "Wenn diese Soldaten verstehen, was man ihnen sagt, losgehen, ihre Aufgaben erledigen und dann wieder zurückkommen, ist das ganze Spiel viel aufregender und realistischer."
Doch die Idee von intelligenten Charakteren in Computerspielen führt auch ethische Bedenken mit sich. "Wir wollen unser LAD-System so entwickeln, dass es zum Schluss ein eigenes Recht auf Existenz hat. Wenn sie ein Bewusstsein entwickelt haben, könnten sie aber auch Emotionen haben, und dann kommen wir in ein ernsthaftes ethisches Dilemma."
Professor John TaylorNeurale Netze
Im Moment hat der LAD-Prototyp erst das Lernvermögen eines 18 Monate alten Kindes. Doch Taylor und sein Team sind zuversichtlich, bis Ende des Jahres die Intelligenz eines Sechsjährigen zu erreichen.
Das System benutzt neurale Netze, um die menschliche Gerhirnfunktion nachzuahmen.
Es lernt die Sprache, wie kleine Kinder es tun, nicht mittels Regeln und Vokabeln, vielmehr durch Assoziation und anhand von Beispielen. Kleinkinder lernen die Bedeutung eines Gegenstandes oder Wortes zu begreifen, bevor sie selber sprechen können.
"Das Problem der Interaktion mit seinem Computer liegt nicht in der Erkennung der Wörter, sondern am Wissen um die Bedeutung der Wörter", erklärt Taylor weiter. "Wir versuchen Verstand in das Sprachsystem zu bringen. Es muss natürlich Spracherkennungs- und Spracherzeugungstechnologie beinhalten, aber am wichtigsten ist das Verstehen und selbstständige Antworten."
