Ein Salesman in der Hofburg
Ein Häuflein von vielleicht 50 Demonstranten mitten auf dem Heldenplatz, die Parolen sind kaum bis zur Hofburg herüber zu hören - die KPÖ hatte aufgerufen, gegen Bill Gates zu demonstrieren.
Nicht weit davon überqueren Bundespräsident Thomas Klestil und Gattin den Platz, ganz in Loden, allein und ohne Bodyguards.
Keine Speisen und Getränke
Gates hingegen hat mindestens ein halbes Dutzend davon aus den
USA mitgebracht, im Festsaal laufen alle paar Minuten Durchsagen,
dass es verboten sei, Speisen und Getränke mitzubringen. Wegen der
Gefahr tief fliegender Sachertorten, heißt es im Publikum -
bekanntlich war Gates schon einmal Ziel eines Tortenattentats.
Die Aufzeichnung aus der Hofburg als StreamUnspektakulär und straight
Als Mr. Microsoft die Bühne gegen 17.10 Uhr betritt, ist das ein denkbar unspektakulärer Akt. Gates geht ganz einfach hinauf und hebt die Hand zum Gruß - kurzer Applaus - schon ist er, ohne sich lang mit Höflichkeiten aufzuhalten, direkt in medias res.
Die Evolution von MS DOS bis MS Visual .NET dauert kaum zwei Minuten, wie diese richten sich die restlichen fünfzig ausschließlich an die 1.200 versammelten Programmierer.
Dass anwesende Adabeis, Prominenz, PR-Leute und Journalisten großteils nur Bahnhof verstehen, wird in Kauf genommen, zumal es um die direkte Kundschaft geht und sonst um nichts
No Lipizzaner, please
Gates ist schließlich nicht für Komplimente, Lipizzaner oder
Sachertorten nach Wien gekommen, sondern um seine Produktfamilie an
den Mann zu bringen. Die heißt "Microsoft Visual Studio .NET" und
hat schmeichelhafte Epithete wie "Reliability", "Scalability" und
"Security" verdient, zu welcher sich Gates auch abschließend in der
"Trustworthy Computing Initiative" bekennt.
Gates verkündet neuen Masterplan"Privatsphäre ist Aufgabe der Politik"
Als Herausforderung für das digitale Zeitalter bezeichnete der Microsoft-Gründer den Bereich der Sicherheit. Passwörter seien für die Authentifizierung nur eine "schwacher Link".
Eine wirksame Lösung werde in diesem Sektor die "Smart Card" bringen. Jeder Bürger werde in Zukunft so eine Plastikkarte zur Authentifizierung haben, meint Gates.
Anders sei es beim Schutz der Privatsphäre jedes Einzelnen. Das sei nicht so sehr Aufgabe der Soft- und Hardwareindustrie, sondern vielmehr der Politik.
