04.02.2002

STIMMUNGSBILD

Bildquelle: AP

Ein Salesman in der Hofburg

Ein Häuflein von vielleicht 50 Demonstranten mitten auf dem Heldenplatz, die Parolen sind kaum bis zur Hofburg herüber zu hören - die KPÖ hatte aufgerufen, gegen Bill Gates zu demonstrieren.

Nicht weit davon überqueren Bundespräsident Thomas Klestil und Gattin den Platz, ganz in Loden, allein und ohne Bodyguards.

Unspektakulär und straight

Als Mr. Microsoft die Bühne gegen 17.10 Uhr betritt, ist das ein denkbar unspektakulärer Akt. Gates geht ganz einfach hinauf und hebt die Hand zum Gruß - kurzer Applaus - schon ist er, ohne sich lang mit Höflichkeiten aufzuhalten, direkt in medias res.

Die Evolution von MS DOS bis MS Visual .NET dauert kaum zwei Minuten, wie diese richten sich die restlichen fünfzig ausschließlich an die 1.200 versammelten Programmierer.

Dass anwesende Adabeis, Prominenz, PR-Leute und Journalisten großteils nur Bahnhof verstehen, wird in Kauf genommen, zumal es um die direkte Kundschaft geht und sonst um nichts

"Privatsphäre ist Aufgabe der Politik"

Als Herausforderung für das digitale Zeitalter bezeichnete der Microsoft-Gründer den Bereich der Sicherheit. Passwörter seien für die Authentifizierung nur eine "schwacher Link".

Eine wirksame Lösung werde in diesem Sektor die "Smart Card" bringen. Jeder Bürger werde in Zukunft so eine Plastikkarte zur Authentifizierung haben, meint Gates.

Anders sei es beim Schutz der Privatsphäre jedes Einzelnen. Das sei nicht so sehr Aufgabe der Soft- und Hardwareindustrie, sondern vielmehr der Politik.