03.02.2002

DEAL WACKELT

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Weiter Ringen um deutsche Kabelnetze

Die Deutsche Telekom und der amerikanische Kabelnetzbetreiber Liberty Media wollen nach Informationen des "Spiegel" Anfang kommender Woche gemeinsam überlegen, wie sie den Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an Liberty trotz Abmahnung des Bundeskartellamtes retten können.

Dabei dürften die Spitzen von Telekom und Liberty auch über den Verkaufspreis diskutieren, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin in seiner neuesten Ausgabe.

Kartellamtspräsident erneut mit Bedenken

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, hat indes erneut seine Bedenken gegen den Kauf der Fernsehkabelnetze der Deutsche Telekom durch Liberty Media geäußert, dem US-Konzern aber weiterhin die Möglichkeit für Verbesserungsvorschläge eingeräumt.

Die Hauptbedenken der Behörde lägen nicht im Programmbereich, sagte Böge in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Im Zentrum unserer Bedenken steht der von Liberty beabsichtigte Kauf weiterer Betreiber auf der sogenannten Netzebene 4 - also den letzten Metern von der Grundstücksgrenze zum Fernsehgerät", sagte er. Es bestehe die Gefahr, sollte Liberty zum Zug kommen, dass der Endkunde nicht von Liberty wegkäme.

Dagegen berichtet das Münchner Nachrichtenmagazin "Focus", Liberty prüfe nun einen Alternativplan zum Einstieg in den deutschen Kabel- TV-Markt. Malone erwäge nun, die Kabelfirma TeleColumbus von der Deutschen Bank zu übernehmen, schreibt "Focus" unter Berufung auf Liberty-Kreise.

Andere Käufer für Kabelnetz möglich

Das Bundeskartellamt hatte sich am Donnerstag dem geplanten Zugriff von Liberty Media auf das deutsche Kabelnetz in den Weg gestellt. Mit einer Abmahnung teilte das Bundeskartellamt Liberty mit, dass der Kauf eines Großteils des Netzes der Deutschen Telekom nach dem jetzigen Stand der Bewertung untersagt werde.

Sollte es zu keiner Einigung mit Libery Media kommen, gehe das Kartellamt davon aus, dass sich andere Käufer für die TV-Kabelnetze der Telekom finden würden. "Das muss nicht einer sein, der dann zwei Drittel des Netzes in seiner Hand hat", sagte der Kartellamts-Chef. Einen Großteil des Erlöses aus dem TV-Kabelverkauf will die Telekom auf die Tilgung von Schulden verwenden. Da dieser bereits eingeplant sei, werde die Telekom daher bei einem eventuellen Verkauf des Kabelgeschäfts an andere keinen niedrigeren Preis akzeptieren, hatte Telekom-Chef Ron Sommer Anfang Dezember gesagt.

Bis 28. Februar will die Behörde ihre endgültige Entscheidung treffen. Allerdings ist auch eine Verlängerung dieser Frist denkbar, wie Kartellamtschef Ulf Böge der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte.