04.02.2002

SPIEL & KRITIK

Bildquelle: Eidos

"Salt Lake 2002" von Eidos

Am 8. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City in den USA. Die FuZo hat anlässlich dieses Ereignisses einschlägige Games getestet, hier ist das erste für die Playstation2, das auch für PC und Gameboy Advance erhältlich ist.

Coubertin zu wörtlich

Dieser Satz von Baron Pierre de Coubertin, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, steht am Anfang des Booklets zu "Salt Lake 2002¿, dem "offiziellen Computerspiel zu den olympischen Winterspielen".

Die Entwickler von ATD haben das Motto vielleicht etwas zu wörtlich genommen, denn "Salt Lake 2002" glänzt zwar mit dem Logo des IOC [Internationales Olympisches Komitee], ist aber streckenweise halbherzig und lieblos gemacht.

Olympia in nur sechs Bewerben

Wer gehofft hat, mit glänzenden Namen a la Stefan Eberharter oder Bode Miller den Hang hinunterzusausen, wird enttäuscht sein. Eidos hat nur die Lizenz zu den Spielen, nicht aber jene für die Namen der Teilnehmer erworben.

Auch bei der Anzahl der Wettkämpfe wurde gespart: Von 78 ausgetragenen olympischen Bewerben sind im Spiel nur sechs vertreten.

Es gibt zwei Damen- und vier Herrenbewerbe. Abfahrt Herren und Slalom Damen, Skispringen 120 Meter Herren einzel, Freestyle, Buckelpisten Damen. Dazu Snowboard, Parallel-Riesenslalom Herren und Zweierbob Herren.

Wenig realistische Bedingungen

Und da ist selbst der leichteste am Anfang nur schwer zu bewältigen. Obwohl die Tastenbelegung minimal ist und die Steuerung ausreichend, wird man am Anfang nur selten das Ziel sehen. Bei der Herren-Abfahrt bedeutet ein Querstellen das Aus fürs Rennen ¿ wer beim Damen-Slalom eines der großen Tore verfehlt, darf an derselben Stelle nochmals anfangen.

Beim Bobfahren ist Augenmaß gefragt, um nicht allzu viel Tempo an den Wänden der Bahn zu verlieren. Beim Skispringen ist wie bei den Wintergames von Epyx genaues Timing und viel Gefühl gefragt

Wunde Daumen bei den Damen

Die absolute Herausforderung an die Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit ist aber Freestyle, Buckelpisten Damen. Je schwieriger der gewählte Sprung, desto mehr Tastenkombinationen müssen in relativ kurzer Zeit möglichst genau und schnell gedrückt werden - eine am Anfang unbewältigbar scheinende und damit frustrierende Aufgabe.

Die Variation bei den Bewerben ist gering: Die Strecken bei Abfahrt und Slalom werden im Olympia- oder Turniermodus nicht neu gesteckt. Nur beim Snowboard-Parallelslalom muss der Spieler alternierend links oder rechts fahren.

Hurra - Letzter!

Die Gesten der Athleten im Ziel sind dann besonders lustig, wenn die Figur die Arme triumphierend in die Höhe wirft und gerade der letzte Platz belegt wurde.

Die Grafik ist das Entäuschendste am Spiel. Die Figuren erzeugen durch "Inverse Kinematics¿ und "Physical Modelling¿ [physikalische Berechnungen in Echtzeit] wohl oft einen realistischen Eindruck in der Bewegung, der aber durch die mangelhafte Beleuchtung und den groben Körperbau ansatzlos zerstört wird.

Die Frauen haben Schultern, um die Bodybuilder sie beneiden würden, und manchmal sind die Gesichter vor lauter "Schattenwurf¿ nicht mehr erkennbar.

Die Umgebung mag detailgetreu wiedergegeben sein, für Realismus reichen aber ein Paar Spuren im Schnee und kondensierende Atemluft nicht aus.

Fazit:

Ob das Logo alleine ausreicht, um "Salt Lake 2002" wie die Fernsehübertragung zum Quotenrenner zu machen, ist fraglich. Im Test blieb die Begeisterung auf jeden Fall am Nullpunkt hängen.

Lange Ladezeiten, ein ruckelndes Replay und die geringe Variation werden die Gamer kaum zum Selberfahren animieren ¿ im Moment brennt noch das echte Olympische Feuer.

Multiplayer

Wer auf der Konsole zu zweit oder mehr spielen möchte, braucht ebenso viele Kontroller wie Spieler, obwohl immer nur einer fahren kann. PC-Spielern reicht dazu ein Keyboard.