Liberty soll Kabel fit für Breitband machen
Nach monatelanger Prüfung hat das Bundeskartellamt den strittigen Einstieg des US-Konzerns Liberty Media auf den deutschen Fernsehkabelmarkt vorerst untersagt.
Die Wettbewerbsbehörde mahnte die Übernahme des verbliebenen größten Teils des TV-Kabels der Deutschen Telekom durch Liberty ab, wie beide Unternehmen am Mittwochabend bestätigten.
Ein Telekom-Sprecher sagte, man gehe weiter grundsätzlich davon aus, dass Liberty die Bedenken des Kartellamtes noch ausräumen könne. Behördenpräsident Ulf Böge will sich am Donnerstag vor der Presse in Bonn zum Stand des Prüfverfahrens äußern.
Deutsche TelekomLiberty will "sorgfältig prüfen"
Liberty werde die Begründung des Kartellamtes sorgfältig prüfen und der Behörde dann antworten, sagte ein Sprecher des Unternehmens aus Denver im US-Staat Colorado.Der international tätige Kabel- und Medienkonzern hatte im September mit der Telekom vereinbart, die verbliebenen sechs ihrer neun Kabelregionalgesellschaften mit zehn Millionen angeschlossenen Haushalten für 5,5 Mrd. Euro zu übernehmen.
Die öffentlich-rechtlichen und die großen privaten Sender lehnen den Einstieg der Amerikaner aber ab, da sie Nachteile für Wettbewerb und Verbraucher befürchten. Auch das Kartellamt hatte bereits vielfältige Bedenken geäußert.
Zugeständnisse könnten Deal retten
Eine Abmahnung bedeutet aber, dass noch die Möglichkeit gesehen wird, die Bedenken durch Zugeständnisse auszuräumen. Dazu hätte Liberty rund vier Wochen Zeit. Bis zum 28. Februar will das Kartellamt abschließend über das Kabel-Vorhaben entscheiden.
Breitbandausbau als Bedingung
Die Behörde hatte unter anderem kritisiert, dass es mit den bisherigen Plänen des US-Konzerns zur Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung beim TV-Kabel käme. Das könne aber aufgewogen werden, indem Liberty das Kabel rasch für Internet und Breitband-Telefonie aufrüste, so die bisherigen Äußerungen der Wettbewerbshüter.
Die Deutsche Telekom hatte Anfang 2000 die Trennung vom Fernsehkabel eingeleitet. Das Geschäft mit Liberty ist für den Bonner Konzern von erheblicher Bedeutung für den geplanten Abbau seiner Schulden um 15 Mrd. auf 50 Mrd. Euro bis Ende dieses Jahres.
Sollte es endgültig platzen, müsste die Telekom einen Ersatz-Investor finden. Bis zu einem neuen Abschluss dürften aber Monate vergehen. Als Interessent hat sich bisher das Londoner Investmenthaus Compere gemeldet, hinter dem die WestLB vermutet wird. Auch die Deutsche Bank will angeblich ein Konsortium bilden.
