Demonstrationen von Animationen
Die internationale "Demoszene" zeigte bei einer Riesenparty im deutschen Bingen ihre Multimedia-Meisterwerke.
Wenn sich die "Demoszene" zu einer ihrer großen Versammlungen trifft, dann hat das nichts mit Politik, aber sehr viel mit Computerkunst und Programmierkünsten zu tun.
Ihre Ursprünge hat die "Demoszene" im Cracken von C64- und Atari-Games: War der Kopierschutz eines Spiels erst einmal geknackt, wurde es von den - oft in Gruppen arbeitenden - Crackern mit einem eigenen Intro versehen - einer musikalisch untermalten Computeranimation, die die technischen und kreativen Möglichkeiten der frühen Homecomputer ausreizte oder mit einem anderen Wort: demonstrierte.
Bald wurde das Erstellen von Intros zu einem anderen wichtigen Aspekt des Wettbewerbs unter den Crackergruppen.
Treffen der Multimedia-Subkultur
C64 und Atari sind längst Computergeschichte, doch die Demoszene lebt weiter - auch wenn sich diese elektronische Subkultur heute sehr vielschichtig präsentiert und ihre Künste längst auch auf PCs und anderen Plattformen demonstriert.
Mehrmals im Jahr trifft sich die internationale "Demoszene" zu großen Parties. Die größte dieser Parties ist die jährlich zu Ostern stattfindende "Breakpoint" im deutschen Bingen, zu der Tausende "Demoszener" aus aller Welt anreisen.
Von der Demo- zur LAN-Party
Auf den ersten Blick gleicht die Demoparty in der Rundsporthalle von Bingen einer beliebigen LAN-Party. Das Innere der Halle ist mit langen Reihen von Tischen und Stühlen gefüllt, auf denen Hunderte Demoszener vor ihren Computer sitzen.
Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig, denn tatsächlich haben sich LAN-Parties aus den Demoparties heraus entwickelt.
Kern einer jeden Demo-Party sind Wettbewerbe. Das "Demo" in "Demoszene" steht ja dafür, dass man demonstrieren will, was man kann und dass man mehr kann als die anderen Teilnehmer.
Bei der "Breakpoint" etwa finden jedes Jahr Wettbewerbe in einer Vielzahl an Kategorien statt; zum Beispiel: "Animation/Video", "Freestyle graphics", "Streaming music & Executable music".
Eine weitere Unterteilung ergibt sich durch vorgegebene Limits bei den Filegrößen der gezeigten Demos: 96k für PC-Games etwa. Eine besondere Kunst besteht darin, spektakuläre Intros mit nur 4k für PC, Amiga und C64 zu kreieren.
Am Ende der Veranstaltung werden in den einzelnen Kategorien dann die jeweiligen Sieger gekürt und die "Scene.org Awards" verliehen.
Teams aus kreativen Individualisten
Trotz der Wettbewerbe herrscht in der "Demoszene" ein ausgeprägter Teamgeist vor. Sowohl in als auch zwischen den einzelnen Demogruppen - und in der Community als Ganzes.
Die österreichische Demogruppe "Scoopex" ist ein Paradebeispiel für diesen Teamspirit: 15 Mitglieder umfasst "Scoopex", darunter nicht nur Österreicher wie den Coder "Peci", sondern etwa auch einen jungen Coder aus Dänemark und "doc d" aus Hamburg, der gemeinsam mit dem Wiener "tmb" bei "Scoopex" die Aktivitäten von Graphikern, Codern und Musikern koordiniert.
Demogruppen ähneln Bands
Die "Demoszene" besteht aus Demogruppen, die - ähnlich wie Musikgruppen - aus mehreren Mitgliedern mit verschiedenen Aufgabenbereichen bestehen. In der Regel sind das bei bei Demogruppen: Graphiker, Musiker und Programmierer, auch "Coder" genannt.
"Scoopex" ist eine der wenigen Demogruppen aus Österreich. 1989 gegründet, war "Scoopex" bis Mitte der 90er Jahre in der sogenannten Warez-Szene aktiv und zunächst auf Amiga-Demos spezialisiert.
Demopartys als Talentebörse
In den letzten Jahren haben Spielefirmen begonnen, Scouts auf Demopartys zu schicken, um unter den dort anwesenden Programmierern junge Talente zu entdecken und zu engagieren.
Die Kunst, mit beschränkten Mitteln und trotz technischer Restriktionen ein Maximum an visuellen Effekten herauszuholen, hat seit kurzem auch Mobiltelefonfirmen auf die Subkultur der Demoszene aufmerksam werden lassen.
Demoparties wie die "Breakpoint" könnten somit für junge Graphiker und Coder in Hinkunft nicht nur ein Sprungbrett in die Spieleindustrie, sondern auch zu Jobs bei Mobiltelefon- und Mobile Entertainment-Firmen werden.
Heute, 22.30 Uhr, in Ö1-"matrix"
Richard Brem war für "matrix" vor Ort und hat dort auch österreichische Mitglieder der "Demoszene" getroffen. Heute um 22:30 Uhr in Ö1 Matrix.
